El Bar

Eine Eckkneipe irgendwo in Madrid. Die gelangweilten Stammgäste schlagen die Zeit vor dem Spielautomaten tot. Neue Gäste mischen sich darunter.

Als Schüsse fallen und plötzlich zwei Leichen auf dem Pflaster vor der Bar liegen, werden die Chefin, ihr langjähriger Mitarbeiter und die Gäste zu einer Zwangsgemeinschaft, die auf engstem Raum zusammengepfercht, wild spekulieren und sich in Paranoia hineinsteigern.

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Die erste Hälfte des Films ist ganz offensichtlich von den galligen Gesellschaftssatiren wie „Der Würgeengel“ inspiriert, die Luis Buñuel in den 60er und 70er Jahren drehte. Für die Bühne bearbeitete Karin Beier diesen Stoff vor kurzem in ihrer Spielzeiteröffnungs-Inszenierung „Hysteria – Gespenster der Freiheit“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg (Kritik).

Schwarzer Humor und stark überzeichnete Figuren sind ein Markenzeichen des spanischen Regisseurs Álex de la Iglesia. In seinem neuen Film „El Bar“, der außer Konkurrenz im Berlinale-Wettbewerb präsentiert wurde, testet er aber die Grenzen des guten Geschmacks bis zur Schmerzgrenze aus. Die Gags sind zotiger und platter als von ihm gewohnt, der Ekelfaktor steigt, je tiefer die Figuren sinken: aus dem Gastraum der Bar verlagert sich der Schwerpunkt der Handlung zunächst auf die Toilette, dann in den Keller und schließlich in die Kloake unterhalb der Bar.

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Es ist schade, dass Álex de la Iglesia in Deutschland noch nicht so bekannt ist. Seine Filme „La Comunidad/Allein unter Nachbarn“ (2001, sein bisher größter Erfolg) und „Crimen ferpecto/Ein ferpektes Verbrechen“ (2004) boten intelligente, anspielungsreiche Unterhaltung mit schwarzem Humor und Niveau. „Las brujas de Zugarramurdi“ schaffte es leider nicht in die Kinos, war aber ein Highlight der Spanischen Filmwoche 2013 (Kritik).

Dass die Berlinale diesen spannenden Regisseur auch in Deutschland bekannter machen will, ist sehr verdienstvoll. Nur wählte sie dafür leider den falschen Film aus: „El Bar“ ist eines seiner schwächeren Werke und blieb auch hinter der Mediensatire „La Chispa de la Vida“ zurück, das 2012 als Berlinale Special eingeladen war (Kritik).

„El Bar“ lief nur „außer Konkurrenz“ im Wettbewerb der Berlinale 2017, hätte aber ohnehin keinen Bären verdient. Wie die Perlentaucher-Kritikerin zurecht schrieb: „Es ist ein buchstäbliches Waten durch die Scheiße“, der Film manövriert sich „selbst in die Falle“.

Ärgerlich an der Vorstellung im Kino International war auch ein Mitarbeiter im Saal. Ruppige Art und Berliner Schnauze gehören zum Image der Stadt, aber die Gäste anzupöbeln ist eines internationalen Festivals unwürdig.

Bilder: Internationale Filmfestspiele Berlin

 

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