Gysi trifft Peymann

Zum Abschluss seiner 18jährigen Ära als Intendant des Berliner Ensembles lud sich Claus Peymann den Talkshow-König Gregor Gysi zu einem lockeren, mehr als zweieinhalbstündigen Gespräch ein.

Wie aus Gysis Matinee-Reihen am Deutschen Theater einige Meter weiter gewohnt, nimmt er sich in der Rolle des Fragestellers sehr zurück und begnügt sich mit der Rolle des Stichwortgebers.

Peymann nutzte diese Freiräume. Mit hübschen Anekdoten und gerne auch mal ausufernden Exkursen ließ er sein Leben Revue passieren: Er erzählte vom Aufwachsen in kleinen Bremer Verhältnissen während des 2. Weltkriegs, von seinen ersten Gehversuchen im Studententheater, seiner Zeit als Bürgerschreck mit der „Publikumsbeschimpfung“ am Frankfurter TAT, den Auseinandersetzungen mit der Filbinger-CDU in Stuttgart, dem Durchbruch in Bochum, dem Aufmischen des saturierten Wiener-Burgtheater-Publikums und seiner Berliner Zeit.

Auch wenn viele Anekdoten bereits bekannt waren: Es war amüsant, seinen Erinnerungen zuzuhören, wie ihn ein sächsischer Grenzpolizist an der Friedrichstraße am Grenzübertritt hinderte und er somit das Vorstellungsgespräch als Helene Weigels Regie-Assistent am Berliner Ensemble verpasste. Für Lacher sorgte auch seine Schilderung des ersten Gesprächs mit dem damals noch unbekannten Herbert Grönemeyer, den er in Bochum damals nicht weiterbeschäftigte, inzwischen aber als Publikumsmagnet und Komponist von zwei Wilson-Inszenierungen („Leonce und Lena“, „Faust I und II“) zurückgewonnen hat.

Natürlich ließ es sich auch Peymann diesmal nicht nehmen, zu poltern: vor allem gegen seinen Nachfolger, den er nie namentlich nannte, sondern immer nur als den „Frankfurter“ bezeichnete. Auf Gysis Vorlagen, gegen den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Ex-Kulturstaatssekretär Tim Renner zu wettern, stieg Peymann dagegen nur halbherzig ein. Auffällig war auch, dass er diesmal keine neuen plakativen Formulierungen gegen seine Lieblingsgegner von Zadek über Hochhuth bis zur Berliner Politk in die Runde warf, mit denen er sonst so gerne in Presseinterviews für Furore sorgt.

 

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