Ewig jung

Dieses Stück wird ein Renner werden, prophezeite Patrick Wildermann im Tagesspiegel nach der Premiere von Erik Gereons „Ewig jung“ am Renaissance-Theater. Er behielt recht: Klaus Wowereit, der nach der Premierenvorstellung am 4. Oktober 2009 begeistert aus dem Sitz sprang, ist längst nicht mehr im Amt. Aber die Senioren-Truppe rockt nach wie vor das Haus.

Die Handlung lässt sich sehr knapp zusammenfassen: betagte Schauspielerinnen und Schauspieler weigern sich, in einem Seniorenheim unter der strengen Aufsicht von Oberschwester Angelika (Angelika Milster) bei Kinderliedern und Klatsch-Spielchen vor sich hin zu dämmern. Sie lassen lieber noch mal die Rampensau raus, wann immer ihnen Schwester Angelika den Rücken zudreht: „I love Rock´n´Roll“ röhren sie programmatisch los, Dieter Landuris gibt mit seinem Krückstock rhythmisch den Takt vor.

„Ewig jung“ ist hervorragendes Unterhaltungstheater, an dem sowohl die illustre Runde der singenden Schauspieler aks auch das Publikum seine Freude hat: Katharine Mehrlling, die ihre großen Auftritte ansonsten vor allem an der Komischen Oper oder in der Bar jeder Vernunft hat, mimt hier eine keifende Giftspritze mit Tourette-artigen Beschimpfungen aller Mitspieler. Guntbert Warns und Anika Mauer geben ein verblühtes Schauspieler-Paar, die von „Romeo und Julia“ träumen. Timo Dierkes ist als Spät-Hippie mit von der Partie, seine „Quiz it!“-Abende, die immer für volles Haus an der Bar des Deutschen Theaters und später im Admiralspalast sorgten, werden schmerzlich vermisst. Eine Schande, dass bisher keines der Berliner Theater zugriff und diese erfolgreiche Rate-Show wiederbelebte!

Als nach mehr als zwei Stunden die beiden finalen Songs „I will survive“ und „We shall overcome“ (mit Publikumsbeteiligung) geht ein kurzweiliger Abend zuende, den sich Theaterfreunde nicht entgehen lassen sollten.

2004 war Erik Gereons Konzept eines „Thalia Social Vista Club“ mit Peter Jordan, Victoria Trautmannsdorf und anderen aus der Not geboren, um den tagelangen Umbau nach einer Dante-Inszenierung zu überbrücken. Ein Glücksfall, dass daraus ein derartiger Renner wurde, dass Gereon weiter an dem Stück feilte, zu „Ewig jung“ weiterentwickelte und dies seit Jahren als Dauerbrenner im Repertoire des Renaissance Theaters läuft.

Bild: Florian Bolk

 

 

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