The Square

Für seinen dritten Kinofilm „The Square“ wählte der schwedische Regisseur Ruben Östlund die Kuratoren zeitgenössischer Museen und ihre verschwurbelten Katalogtexte und die aufmerksamkeitsgeilen Werbefuzzis einer Agentur als Zielscheibe seines Spotts aus.

Das bringt einige Nachteile mit sich: Wie soll ein Film spannend werden, wenn schon die Hauptfigur, der Kurator Christian (gespielt von Claes Bang), ein derart blasses, neurotisches Würstchen ist? Außerdem scheitert „The Square“ an der Herausforderung, mehr als nur die schon x-mal wiedergekäuten Klischees über moderne Kunst zu bieten. Statt zündender Pointen muss sich der Regisseur, der zugleich auch das Drehbuch schrieb, auf die uralte Geschichte der Putzfrau zurückgreifen, die eine Fettecke von Beuys nicht als Kunstwerk erkannte, sondern mit dem Wischlappen traktierte. In leicht verfremdeter Form baut auch Östlund diesen Vorfall in seinen Plot ein.

Es gibt Momente zum Schmunzeln, aber der Satire fehlt der Biss. Was in knackigen 90 Minuten noch ganz gut funktionieren könnte, ist hier leider auf eine Überlänge von 145 Minuten gestreckt. Die Abrechnung mit Kunst- und PR-Branche wird mit dem ebenfalls nur halbwegs komischen Versuch des Hauptdarstellers angereichert, sein geklautes Handy mit Drohbriefen zurückzubekommen, die er in allen Briefkästen eines verrufenen Viertels platziert.

Eine Randnotiz zu diesem Film ist, dass die argentinische Künstlerin Lola Arias als Urheberin der titelgebenden Installation „The Square“ vor dem fiktiven X-Royal-Museum in Stockholm karikiert wird. Pikanterweise gibt es tatsächlich eine Künstlerin mit diesem Namen: Sie arbeitet als Schriftstellerin, Musikerin, Schauspielerin und Regisseurin. Seit einem Jahr läuft ihre Stückentwicklung „Atlas des Kommunismus“ (Kritik), die sich unterhaltsam mit dem Erbe der DDR und des Marxismus befasst, am Berliner Gorki Theater.

„The Square“ bleibt leider weit hinter der Qualität von Östlunds vorherigem Film „Höhere Gewalt“ (Kritik) zurück. Dieses Kammerspiel über den entgleisenden Skiurlaub einer Familie war wesentlich reifer, raffinierter und subtiler, war aber in Cannes 2014 nur in einer Nebenreihe und anschließend im Herbst 2014 auch nur in einigen Programmkinos zu sehen.

Im Mai 2017 sorgte die Vergabe der Goldenen Palme an „The Square“ für heftige Diskussionen beim Festival in Cannes. Die Kinozuschauer können sich ab 19. Oktober ihr eigenes Bild von dieser fragwürdigen Jury-Entscheidung machen.

Bild: Alamode Verleih

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