Der gute Mensch von Sezuan

An Brechts Parabel „Der gute Mensch von Sezuan“ haben sich schon einige die Zähne ausgebissen. Zuletzt versuchte sich Leander Haussmann im Spätsommer 2015 zur Spielzeiteröffnung des Berliner Ensembles daran. Das Ergebnis waren mehr als drei zähe Stunden, die entsetzte Kritiken ernteten, weil ihnen der Drive fehlte, der Haussmanns Inszenierungen meist auszeichnet.

Nun wagte sich Peter Kleinert mit seinen Studentinnen und Studenten der HfS Ernst Busch im Studio der Schaubühne an diesen schwierigen Stoff. Die holzschnittartige Kapitalismus- und Religionskritik hat einiges an Patina angesetzt. Auch die Musik von Paul Dessau wirkt aus der Zeit gefallen.

DER GUTE MENSCH VON SEZUAN

Deswegen fehlt dieser Arbeit der Witz und Esprit, mit dem die Vorgänger-Jahrgänge in „Mutter“ und „Dantons Tod“ überzeugten, die sie ebenfalls mit Peter Kleinert einstudierten. Das Stück wurde zwar auf 140 Minuten gekürzt, der Abend kommt aber nicht richtig in Schwung. Die Handbremse bleibt angezogen. Am Ende sehen wir betroffen die Frage offen, warum sich Kleinert und sein Jahrgang für diesen Stoff entschieden. Die Themen soziale Ungerechtigkeit und Ausbeutung sind zweifellos weiterhin drängend, wie auch der kurze Text des französischen Philosophen Alain Badiou unterstreicht. Brechts Parabel wirkt aber so altbacken und gibt den Spielerinnen und Spielern so wenig Chancen, ihr Können zu zeigen, dass es eine verschenkte Chance war.

Bilder: Gianmarco Bresadola

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