Das Missverständnis

Warum das Deutsche Theater Berlin und Regisseur Jürgen Kruse das selten gespielte Drama „Das Missverständnis“ ausgegraben, ist in den knapp 2,5 Stunden nicht klar geworden.

Der existentialistische Philosoph und Autor schrieb 1943/44 ein kleines Stück über ein mörderisches Mutter/Tochter-Duo (am DT gespielt von Barbara Schnitzler und Linda Pöppel), die eine kleine Herberge betreiben. Ihr Geschäftsmodell ist es, die Gäste auszurauben und die Leichen diskret im Fluss zu beseitigen. So haben sie es auch mit Jan vor. Viel zu spät merken sie, dass es sich um den „verlorenen Sohn“ bzw. Bruder (Manuel Harder bei seinem Debüt im DT-Ensemble) handelt, der sie vor knapp zwanzig Jahren zurückgelassen hat.

Das Missverständnis

Langsam wird der Vorhang beiseite gezogen. Die wie eine Rumpelkammer vollgestellte Bühne bleibt dennoch die gesamte Zeit im schummrigen Zwielicht. Die Absteige der beiden Mörderinnen ist mit einem gelben Tatort-Absperrband vom Publikum abgetrennt.

Zentrale Idee der Inszenierung ist, dass die Figuren nicht dazu in der Lage sind, in vollständigen Sätzen zu kommunizieren. Sie lassen Wörter weg, verschlucken Silben, stellen den Satzbau um, kalauern sich durch den Abend. Leitmotivisch raunt Jürgen Hoth sehr bedeutungsschwanger „Existentialismus“ aus dem Hintergrund. Zwischendurch wird auch immer wieder betont ironisch ein Volkslied angestimmt.

Zäh schleppt sich die Handlung ihrem Ende entgegen, nur selten lockern Songs wie „Mr. Tambourine Man“ die Tristesse etwas auf. So unvermittelt, wie er sich öffnete, schließt sich der Vorhang wieder über der Bühne, die aus dem Dämmerzustand endgültig in tiefem Schwarz versunken ist.

Bild: Arno Declair

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