Outland

Dieser Theaterherbst ist gespickt mit düsteren Stoffen: Castorfs 7,5-stündigem „Le Misérables“-Lamento über die Pariser Kloake und die Schlechtigkeit der Welt folgten die tödlich endenden Machtspiele der „Zofen“ und der Mord im Dämmerlicht in „Das Missverständnis“.

Neben Anne Habermehls „Outland“ in den Sophiensaelen wirken diese Stücke aber fast schon wie Gute Laune-Theater. Eine derartig geballte Ladung an Tristesse und Hoffnungslosigkeit wie in diesen knapp zwei Stunden ist selten zu erleben.

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Habermehl, die auch selbst Regie führt, lässt ihr kleines vier Personen-Ensemble (Manfred Andrae, Anne Haug, Ingo Tomi und Sabine Waibel) ein Panorama gebrochener, verzweifelter und haltloser Figuren verkörpern. Von der Sterbehilfe-Debatte über die Situation eines Schizophrenen in der Psychiatrie, die Angst vor Jobverlust in einer Leiharbeitsfirma und die Suche nach dem spurlos verschwunden Sohn bis hin zum Schmerzensmonolog des sterbenden alten Mannes allein im Seniorenheim wird hier kein gängiges Leidens-Motiv ausgelassen.

Der Abend ist atmosphärisch dicht inszeniert, bietet aber zu wenige Überraschungsmomente. Aufgelockert durch tänzerische Bewegungen und eine kleine Kissenschlacht lässt der Abend kaum Hoffnung und endet in trostlosem Schwarz.

Bilder: Detlev Schneider

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