Gertrud

Einen Tag nach „Die letzte Station“ befasst sich schon der nächste Abend mit Abschied und Tod. Dorien Thomsen hat einen Sarg in die Mitte der ansonsten kahlen Bühne gewuchtet.

Dieses Zentrum umkreist eine multiple „Gertrud“, die auf ein prominentes Trio aufgespalten ist: Antonia Bill, Wolfram Koch und Almut Zilcher teilen sich diese Rolle im beige-braunen Einheitslook. Mal im Chor, mal solistisch konfrontieren sie das Publikum mit den oft elliptischen Satzbrocken aus Einar Schleefs Roman, in dem er sich der Biographie seiner Mutter annäherte.

Vier politische Systeme (vom Kaiserreich bis zur DDR) erlebte sie in der Kleinstadt Sangerhausen. Gertruds Sohn, der in den 1970er Jahren in den Westen ging, beschreibt ein anstrengendes, arbeitsreiches Leben, das vom Verlust ihrer Söhne und ihres Mannes Willy überschattet wird.

Trotz des exzellenten Schauspieler-Trios funktioniert die Roman-Adaption von Jakob Fedler in den Kammerspielen des Deutschen Theaters nicht gut. Der als „eigenwilliger, sprunghafter, sich preisgebender Erzählsturm“ angekündigte Abend stemmt sich seinem Publikum sehr schroff entgegen und gibt ihm kaum eine Möglichkeit anzudocken.

Mit einigen Slapstick-Nummern und einem angedeuteten Sirtaki wurde zwar versucht, den ansonsten sehr düsteren, abweisenden Abend aufzulockern. Aber das führt nur dazu, dass drei Clowns über die Bühne springen, bevor sie wieder in den Lamento-Ton verfallen.

Bild: Arno Declair

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