Michael Kohlhaas

Michael Kohlhaas wird zum Schaffott geführt, der Kopf wird abgeschlagen, der Vorhang schließt sich nach wenigen Sekunden: Klappe zu, Hauptdarsteller tot, Fall erledigt, auf zur Premierenfeier?

Ganz so einfach macht es sich Antú Romero Nunes bei seiner Adaption von Kleists berühmter Novelle dann doch nicht. Der Vorhang öffnet sich nach dieser kurzen Eröffnungsszene wieder, was nun folgt ist aber der Tiefpunkt dieses Abends am Thalia Theater. Thomas Niehaus, Jörg Pohl und Paul Schröder langweilen mit öden, wortlosen Gags.

Was das mit Kleist zu tun haben soll? Nach einer gefühlten Ewigkeit sprechen die drei Schauspieler ihre ersten Worte und stellen sich als Kohlhaas-Nachfahren vor, die eine Import-Export-Firma betreiben, der plötzlich die Zwangsvollstreckung droht.

Im Mittelteil wird nun der Plot von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ in einer karikaturenhaft zugespitzten, Schulklassenfreundlichen Kurzfassung durchgespielt. Unvermittelt werden die „Reichsbürger“ in die Komödie eingeführt: ein interessanter Ansatz, den fanatischen Kampf des Kohlhaas gegen die Obrigkeit mit den juristischen Traktaten über den Rechsstatus der Bundesrepublik, in denen sich diese Bewegung verheddert, in Beziehung zu setzen. Daraus hätte ein großer Abend werden können.

Anstatt diesen Gedanken fortzuführen und auszuspielen, hüpft er lieber zur nächsten Szene. Sein Können lässt Antú Romero Nunes diesmal zu selten aufblitzen. Was möglich gewesen wäre, deutet er kurz an, als Paul Schröder in der Luther-Rolle mit Klebeband an einen Stuhl gefesselt wird und seine beiden Mitspieler ihm eine echte Schlange um den Hals legen.

Leider verpufft diese Szene wie die gesamte Inszenierung in einer wilden Schießerei. Von der Qualität seines „Richard III.“ ist diese neue Arbeit zum Auftakt der Lessingtage leider weit entfernt.

Bild: Armin Smailovic

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