Die Verlegerin

Steven Spielberg erzählt in seinem neuen Hollywood-Drama „The Post“ (deutscher Verleih-Titel: „Die Verlegerin“) in knapp drei Stunden strenggenommen gleich drei Geschichten.

Es geht in diesem Plädoyer für die freie Presse erstens um einen der berühmtesten Whistleblower-Fälle, der auch in der Debatte um Edward Snowden immer wieder erwähnt wurde: Daniel Ellsberg wechselte zwischen dem Think Tank Rand Corporation und dem Pentagon hin und her. Als Militärbeobachter in Vietnam wuchsen seine Zweifel an dem Einsatz der US-Army, die sich in Südostasien in einem moralischen und militärischen Desaster verstrickte. Um die die offiziellen Durchhalteparolen aus dem Weißen Haus (von Eisenhower über Kennedy und Johnson bis Nixon) bloßzustellen, leakte Ellsberg eine umfangreiche Studie, die genau belegte, an welchen Stellen die US-Administration wider besseren Wissens handelte. Diese „Pentagon Papers“ wurden 1971 zunächst der ehrwürdigen New York Times zugespielt.

Das Material wurde aber auch der kriselnden Washington Post angeboten, die damals weit von ihrer heutigen Bedeutung entfernt war. Der hemdsärmelige Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) witterte sofort den großen Coup. Wesentlich zögerlicher war Verlagschefin Katherine Graham (Meryl Streep), die nach dem Suizid ihres Mannes noch recht neu an der Spitze des Familienunternehmens war.

Hier kommt der zweite Erzählstrang des Films in Spiel: „Die Verlegerin“ erzählt auch die Geschichte einer weiblichen Emanzipation. Katherine Graham wurde anfangs in der Männerwelt nicht ernst genommen. Ihre Berater behandelten sie wie eine Marionette, der sie haarklein die Argumentation für einen Börsengang vorgaben. Sie scheiterte aber in der Aufsichtsratssitzung daran, diese Formeln nachzubeten. Nach einem Abendessen setzte sie sich zu den Frauen, die über Klatsch und Tratsch sprachen, während die Männer ihre Deals einfädelten. Nur langsam verschaffte sich Katherine Graham Respekt. Eine Schwäche dieses Films ist, dass nicht recht nachvollziehbar wird, wie sich die Salondame zu einer durchsetzungsstarken Frau wandelte, die am Ende den Ton angab und den Marschbefehl „Wir drucken“ erteilte, nach dem auch ihre 1998 erschienene Autobiographie benannt ist.

Der Supreme Court wies Nixons Klage mit 6:3 Stimmen ab: das Geheimhaltungsinteresse des Staates muss hinter der Pressefreiheit und dem Recht der Öffentlichkeit auf Information zurückstehen: „Only a free and unrestrained press can effectively expose deception in government. And paramount among the responsibilities of a free press is the duty to prevent any part of the government from deceiving the people and sending them off to distant lands to die of foreign fevers and foreign shot and shell.”

Drittens ist „Die Verlegerin“ aber auch eine nostalgische Hommage an die Zeitungswelt der 70er Jahre. Die Kamera von Janusz Kaminski zeigt den analogen Produktionsprozess dieser Zeit mit großer Leidenschaft fürs Detail: das Setzen der Bleilettern, das Anrollen der Druckerpresse, die flitzenden Boten, die verqualmten Redaktionsräume.

Steven Spielberg führt diese drei Stränge in seinem mit den Stars Streep und Hanks gespickten Drama handwerklich solide zusammen. Unangenehm fällt jedoch das Pathos auf, mit dem er seine Geschichte erzählt, das wir bereits von vielen seiner früheren Werke kennen. Dem Film ist deutlich anzumerken, dass er auf die Oscars schielt, bei denen er trotz zwei Nominierungen leer ausging. „Die Verlegerin“ bearbeitet einen brisanten Stoff, setzt aber zu sehr auf Pathos uns Klischees.

Bild: Universal Pictures Media

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