Tropfen auf heiße Steine

Bis zu seinem viel zu frühen Tod blieb Rainer Werner Fassbinders „Tropfen auf heiße Steine“, das er mit erst 19 Jahren noch vor seiner Schwabinger antitheater-Zeit  schrieb, in der Schublade. Die Uraufführung fand erst 1985 beim Internationalen Theaterfestival München statt, 2000 adaptierte der französische Regisseur Francois Ozon den Stoff fürs Kino, bevor er mit „8 Frauen“ und „Swimming Pool“ zu einem Star des europäischen Autoren-Kinos wurde.

Seit einem Jahr ist diese „Komödie mit pseudotragischem Ende“, wie Fassbinder seine „Tropfen auf heiße Steine“ im Untertitel nannte, in einer neuen Version in der Box des Deutschen Theaters Berlin zu sehen. Die Reihe „Limited Edition“ dient als Experimentierfeld, auf dem sich junge Künstler an kleinen Formaten und mit verkürzter Probenzeit ausprobieren können. Philipp Arnolds Inszenierung ist jedoch mehr als eine Fingerübung und könnte auch nebenan in den größeren Kammerspielen bestehen.

Die erste Hälfte dieser nur eine Stunde kurzen Arbeit gehört zum Besten, was an diesem Haus in letzter Zeit zu sehen war. Es macht großen Spaß, den beiden Hauptdarstellern Bernd Moss (als Leopold Bluhm) und Daniel Hoevels (als Franz Meister) bei ihrem Spiel zuzusehen. Moss glänzt als schmieriger Verführer, der sein Opfer mit lauerndem Blick und reptilienhaft-gierig geöffnetem Mund umgarnt. Hoevels verkörpert den unbedarften Jungen, den Leopold auf der Straße aufgabelte und in sein Bett bringen möchte, ebenfalls gekonnt. In der zweiten Szene kippt das Verführungs-Spiel in die Beziehungshölle: Franz findet sich ein halbes Jahr später in der klassischen Hausfrauen-Rolle am Herd wieder, kann dem tyrannischen Leopold jedoch absolut nichts recht machen.

Die beiden Schauspieler sind bleich geschminkt bis auf pechschwarz-umrandete Lippen und Augen. Sie sitzen sich auf engstem Raum zwischen Pappwänden gegenüber, die sich im Lauf der Inszenierung verschieben und die ohnehin kleine Spielfläche noch weiter einschnüren. In der zweiten Hälfte brechen Anna Wolf (Natalie Selig) und die sonnenbebrillte Diva Vera (Franziska Machens) in die Wohnung von Leopold und Franz ein. Anna möchte ihren Franz zurück haben und beginnt ihrerseits damit, Leopold zu verführen und in seine Nase zu beißen.

Der Schluss ist nicht mehr ganz so präzise wie die ersten Szenen dieses Abends. Dennoch gelang Philipp Arnold ein sehenswerter Abend, der auch ein Jahr nach der Premiere noch auf dem Spielplan des DT  Berlin steht und zurecht zum „Radikal jung“-Festival ans Münchner Volkstheater eingeladen wurde, in dessen Programm sich „Tropfen für heiße Steine“ sehr gut einfügen wird.

Bild: Viktor Reim

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