Vollblüter

Einen bemerkenswerten Debütfilm präsentiert Cory Finley: sein Psychothriller „Vollblüter“ (im Original: Thoroughbreds) basiert auf einem gleichnamigen Theaterstück des New Yorker Regisseurs.

In schlanken 90 Minuten erzählt Finley von den zwei wohlstandsverwahrlosten Teenagerinnen Amanda und Lily, die sich in ihren Vorort-Villen von Connecticut langweilen und sich langsam an die fixe Idee herantasten, dass sie den Stiefvater von Lily töten wollen. Sehr unterkühlt und ganz gegen die Thriller-Genre-Konvention mit „irritierend gemächlichem Tempo“ (Barbara Schweizerhof in der taz) tasten sich die beiden Protagonistinnen in ihrem Mordplan voran. Ein handfestes Motiv haben die beiden Biester nicht: nur einen Mix aus Langeweile, Mordlust und neureicher Hybris, sich alles erlauben zu können. Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen das exzellent: Amanda wird von Olivia Cooke verkörpert, die 2015 in „Ich und Earl und das Mädchen“ auffiel, ihre zunächst sympathischer wirkende, sich aber als noch skrupelloser entpuppende „Freundin“ Lily spielt Anya Taylor-Joy, die 2015 mit „The Witch“ bekannt wurde.

Das Beeindruckende an „Vollblüter“ ist, wie die taz zurecht hervorhob, der kalte, schneidend präzise Blick, mit dem die Kamera nicht nur die erlesenen Interieurs der Villen abfährt, sondern auch auf die Gesichter der Akteure zoomt.

„Vollblüter“ sollte man sich außerdem nicht entgehen lassen, weil der 2016 bei einem Unfall mit nur 27 Jahren verstorbene Anton Yelchin darin in einer seiner letzten Rollen ist. Er spielt den Junkie und Kriminellen Tim, der mit einem Bein im Gefängnis steht und von den „Reichen und Schönen“ wie ein Exot bestaunt wird. Die beiden Mädchen versuchen, ihn zu erpressen, zu manipulieren und für ihre Mordpläne einzuspannen. Der grobschlächtige Tim entwickelt sich im Lauf des Films zur menschlichsten und sympathischsten Figur in diesem Psychothriller aus der Welt der Oberschicht.

Premiere von „Vollblüter“ war beim Sundance Festival im Januar 2017, im August 2018 kam der Film in die deutschen Kinos.


Bilder: Claire Folger / Focus Features

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