Blackkklansman

Die verrücktesten Kino-Geschichten schreibt das Leben selbst: der schwarze Polizist Ron Stallworth meldete sich in den 1970er Jahren auf eine Annonce des Ku-Klux-Klans und infiltierte die für ihren rassistischen Hass berüchtigte Organisation erfolgreich: er hielt telefonisch Kontakt, zu den realen Treffen schickte er einen weißen Kollegen.

2014 schrieb Stallworth ein Buch über diese aberwitzige Geschichte, vor kurzem berichtete er auch in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung über seinen Undercover-Einsatz. Einem größeren Publikum wurde die Story aber erst durch die Verfilmung von Spike Lee, dem wohl wichtigsten Regisseur des New Black Cinema, die in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde und diese Woche in den deutschen Kinos startete.

Lee vertraut ganz auf die Kraft seines Plots, den er zwischen Hollywood-Mainstream und Arthouse-Kino recht konventionell erzählt. In den Hauptrollen des doppelten Ron Stallworth glänzen John David Washington (Sohn des Hollywood-Stars Denzel Washington) als bis zur Fahrlässigkeit unbekümmerter, von Undercover-Ehrgeiz getriebener junger schwarzer Polizist und Adam Driver, der zuletzt zwischen seiner Lieblingsrolle als neurotischer Mittzwanziger in Indie-Filmen und seinen Blockbuster-Auftritten in den Star Wars-Sequels pendelte, als sein weißes Alter ego.

„Blackkklansman“ bietet gute, politisch engagierte Unterhaltung. Mit teils haarsträubenden Fehlern (Ron Stallworth meldete sich schon beim ersten Telefonat mit seinem Klarnamen) manövriert sich das Ermittler-Team immer wieder in prekäre Situationen. Vor allem der misstrauische, aggressive Felix Kendrickson (die finnische Entdeckung Jasper Pääkkönen) treibt sie mehrfach in die Enge, so dass der Kinozuschauer reichlich Gelegenheit hat, mit den beiden Helden mitzufiebern.

Nach einem Anschlag, den das Team zwar rechtzeitig entdeckt, aber nicht mehr verhindern kann, werden die Undercover-Ermittler von oben ausgebremst. Lee nutzt dies zu einem Brückenschlag in die Gegenwart: Im Staccato-Tempo zeigt er die Bilder der Neonazi-Aufmärsche und Gewalteskalationen von Charlottesville im August 2017 und die groteske Verharmlosung von Donald Trump, dessen Lieblingsparole „America first!“ bereits früher während der 136 Kinominuten erschallte.

Einer der wenigen positiven Aspekte der aktuellen Misere der US-Politik ist, dass Regisseur Spike Lee wieder in Form kommt: „Manche Geschichtenerzähler brauchen einen Gegner“, konstatierte Susan Vahabzadeh in der SZ und bescheinigte ihm, dass „Blackkklansman“ sein stärkster Film seit langem ist und an seine größten Erfolge „Do the right thing“ (1988) und „Malcolm X“ (1992) anknüpft.

Bild: David Lee/Focus Features

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