Hundeherz

Bei weitem nicht so bekannt wie sein überbordender Roman „Meister und Margarita“ ist Michail Bulgakows Novelle „Hundeherz“ (1925). Auch dieser Text ist eine ätzende Abrechnung mit dem Sowjetsystem. Sehr plastisch führt der Text vor, wie die Partei- und Staatsorgane bis in die privatesten Räume vordrangen. Vor allem ging es Bulgakow um ein satirisches Aufspießen des Traums vom „Neuen Menschen“, den z.B. Leo Trotzki in „Literatur und Revolution“ (1924, Auszug auf dem Programmflyer) propagierte.

Die beiden Hauptfiguren von „Hundeherz“ sind der angesehene Chirurg Filipp Filippowitsch Preobrashenski (Helmut Mooshammer) und der Straßenköter Bello (Natali Seelig). Der Chirurg sammelt den Hund auf und lockt ihn mit einer Wurst, deren Duft die ganze Box des Deutschen Theaters durchzieht, in sein Apartment. Dort beginnt er mit Experimenten und pflanzt ihm menschliche Organe ein.

Der Traum vom „Neuen Menschen“ wird gründlich ad absurdum geführt: aus Bello wird Polygraph Polygraphowitsch Bellow, ein Säufer und Ganove, der den Professor tyrannisiert und von den Staatsorganen schließlich als neuer Leiter der Unterabteilung zur Säuberung der Stadt Moskau von streunenden Tieren bei der Stadtreinigung der Moskauer Kommunalwirtschaft vom Bock zum Gärtner gemacht wird.

Bulgakow wusste natürlich, dass dieser Text nie die Zensur passieren könnte. Das Programmheft zitiert aus seinem Brief an den Verleger, dass „Hundeherz“ auf keinen Fall zur Veröffentlichung in Betracht komme. Die Manuskripte wurden jedoch bei einer Hausdurchsuchung entdeckt und beschlagnahmt. Erst während Gorbatschows „Glasnost“ erschien der Text erstmals unzensiert in der Zeitschrift Snamja.

Die bissige Novelle eignet sich mit ihren an Frankenstein und Faust erinnernden Motiven zwar besser für eine Dramatisierung als viele andere Prosatexte. Lilja Rupprecht fand in ihrer Inszenierung, die vor zweieinhalb Jahren in der Box des Deutschen Theaters Berlin Premiere hatte, nicht den richtigen Zugriff. Wie zuletzt auch bei Jeff Koons im Studio der Schaubühne konfrontiert sie ihr Publikum mit einem Gewitter aus Videoeinspielern (Moritz Grewenig) und Sound (Romain Frequency), das den knapp 90 Minuten kurzen Abend zu sehr dominiert. Ihr Ensemble (neben den beiden genannten Hauptdarsteller*innen stehen Elias Arens und Linn Reusse auf der Bühne) muss oft frontal vor dem Publikum ins Mikrofon schreien und kommt zu wenig ins Spielen.

Bild: Arno Declair

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