Revolt. She said. Revolt again/Mar-a-lago

Pünktlich zum Jahrestag wollte das Berliner Ensemble die #metoo-Debatte mit einer feministischen Doppel-Premiere befeuern: zwar „nur“ im Kleinen Haus, aber mit zwei bekannten Autorinnen und hervorragenden Schauspielerinnen, die in Berlin länger nicht zu erleben waren.

Christina Tscharyiski nahm sich für die knapp 2,5 Stunden zum einen die deutschsprachige Erstaufführung des kämpferischen Textes „Revolt. She said. Revolt again“ (2014) der Britin Alice Birch vor, von der in Berlin zuletzt die feministische Hamlet-Übermalung „Ophelias Zimmer“ 2015 an der Schaubühne lief. Nach der Pause widmete sie sich der Uraufführung des Auftragswerks „Mar-a-lago“, das zwar nach Trumps Ferien-Domizil benannt ist, aber nichts mit dem US-Präsidenten zu tun ist, sondern eine böse Satire über #metoo in der Film- und Theaterbranche ist.

Vielversprechend war auch der Besetzungszettel: allen voran die beiden Gäste Anita Vulesica, die bis 2017 am Deutschen Theater Berlin engagiert war und als eine der besten Komödiantinnen auf den Bühnen der Stadt in bester Erinnerung ist, und Astrid Meyerfeldt, die von 1992 bis 2008 eine prägende Volksbühnen-Spielerin war und zuletzt bei Armin Petras am Schauspiel Stuttgart arbeitete. Hinzu kommen Patrick Güldenberg und Sascha Nathan vom BE und als weiterer Gast Lorna Ishema, die zwei Jahre am Deutschen Theater spielte.

Allerdings stellt sich schnell Ernüchterung ein. Die erste Szene ist ein frecher Sex-Talk zwischen Vulesica und Nathan, in der die beiden die Frage verhandeln, wer den aktiven Part übernehmen darf, welche Grenzen nicht überschritten werden dürfen und wer wen penetriert. Dies ist einer der raren Momente, in denen Anita Vulesica ihr Talent wirklich ausspielen darf. Etwas mehr Freiräume bekommt oder nimmt sich Meyerfeldt, die eine kleine Prise Volksbühnen-Hysterie á la Pollesch einbringen darf.

Die Szenen des ersten Teils werden zu beliebig: von der Work-Life-Balance bis zu Equal Pay werden eine ganze Reihe von Themen nur noch angerissen, ohne in die Tiefe zu gehen. Dazwischen rappt Ebow ihre Texte, während im Hintergrund schnell geschnittene Videos von Dominique Wiesbauer laufen, die als assoziative Bilderflut Melania Trump, patrouillierende Truppen und Andy Warhol am Publikum vorbeirauschen lassen. Die größte Schwäche dieses Teils: die beiden Männer sind nur klischeehafte Trottel, die Frauen sind ihnen überlegen, aber auch keine starken, konturierten Figuren.

Der zweite Teil hätte eine gallige Satire über fünf Schauspielerinnen werden können, die in Brautkleidern und mit türkisfarbenen Perücken vor der Tür und Besetzungscouch des Regie-Gurus Schlange stehen, der jede von ihnen nur respektlos „Mümmi“ nennt. Sie hoffen alle darauf, in seinem neuen „Projekt“ über Maos Witwe wieder damit dabei sein zu dürfen und müssen sich eingestehen, dass ihr als Künstlergenie verklärtes Idol sie nur gegeneinander ausgespielt hat.

Streeuwitz macht sich über ihre halbherzigen Protestversuche, über ihr Schönreden und ihre Lebenslügen lustig. Als kurze Intervention hätte diese Satire gut funktionieren können. Für zehn, fünfzehn Minuten lässt der Abend sein Potenzial aufblitzen, aber auch dieser zweite Teil versandet.

Bilder: Julian Röder

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