Haußmanns Staatssicherheitstheater

Leander Haußmann lud zu einer vergnüglich-harmlosen Stasi-Komödie an der Volksbühne über einen langhaarigen Bohemien (Matthias Mosbach), der als Informant „Bunter Hund“ in die Künstlerszene des Prenzlauer Bergs eingeschleust werden sollte.

Die ersten anderthalb Stunden geraten sehr zäh. Das Spiel will einfach nicht Fahrt aufnehmen, tritt zu oft auf der Stelle und erschöpft sich in kleinen Späßen wie einer Mielke-Parodie von Waldemar Kobus inklusive einer Anspielung auf sein verzweifelt-hilfloses „Ich liebe doch alle Menschen.“

Die zweite Hälfte nach der Pause ist als Farce angelegt. Zwei dilettantische Stasi-Mitarbeiter (Mosbach und Christopher Nell) dringen in die Wohnung einer Malerin (Antonia Bill) ein und möchten ihre Ehe mit Rüdiger nach bewährtem Muster „zersetzen“: hier ein Spermafleck, dort eine Zigarettenkippe. Die Stasi stellt sich jedoch so dämlich an, dass der „Operative Vorgang Virus“ gründlich schief geht. Überraschend kommt der Hausherr zu früh zurück, der IM muss sich im Schrank verstecken und wird dabei fast von dem eifersüchtigen R. mit der Axt umgebracht, der sich auch noch als sein Vater herausstellt.

Für eine gelungene Farce ist das schräge Spektakel aber nicht hochtourig genug. Das „Staatssicherheitstheater“ kommt nicht über eine amüsante Klamotte zum Schmunzeln hinaus. Die Nostalgie steht an diesem Abend im Mittelpunkt: Leander Haußmann brachte mit Bill/Mosbach/Nell nicht nur ein starkes Trio mit, das auch schon seine Inszenierungen an Claus Peymanns Berliner Ensemble prägte, sondern hat mit Uwe Dag Berlin und Norbert Stöß auch alte Kumpels an Bord, mit denen er schon in den späten 1980er Jahren in Gera das Theater aufmischte und die Stasi beunruhigte. Im Programmheft sind Ausschnitte aus ihren Stasi-Akten nachzulesen. Schade ist allerdings, dass Haußmann und Co., denen die Stasi so eng auf die Pelle rückte, nichts Interessanteres zu diesem zeitgeschichtlichen Thema als diese doch recht belanglose Komödie einfiel.

Nach mehr als drei Stunden dreht Haußmann die Nostalgie-Schraube noch eine Spur weiter: wie einst bei Castorf scheint der Abend einfach kein Ende nehmen zu wollen. Das ganze Ensemble schlüpft in Barock-Kostüme, hier wird noch ein Monolog von Silvia Rieger drangehängt, dort darf Sir Henry noch mal in die Tasten hauen.

Ganz zum Schluss packt Leander Haußmann noch ein Nostalgie-Sahnehäubchen oben drauf: in eine Gruppen-Szene an einer Bar mischen sich zwei Überraschungs-Gäste, die seine Komödie „Sonnenallee“ zum Kino-Hit machten. Alexander Scheer (mit roter Perücke und Drag-Kostüm) und Detlev Buck (in Uniform) ziehen gemeinsam ihre Runden und qualmen vergnügt im Hintergrund, während sich der Rest der Truppe schon vom Publikum feiern lässt.

Bilder: Harald Hauswald

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