Der Streit

Das Stück von Pierre Carlet de Marivaux aus dem Jahr 1744, schreit nicht gerade danach, heute wieder aufgeführt zu werden. Ein aristokratisches Paar streitet darüber, welches Geschlecht mehr zur Untreue neige: Frauen oder Männer. Den Beweis soll ein Experiment mit vier jungen Erwachsenen bringen, die als Kinder von der Außenwelt abgeschottet wurden, nur mit ihren Dienern Mesrou und Carise Kontakt hatten und nun aufeinander losgelassen wurden.

Absehbar entsteht ein großes Gefühlschaos voller Liebesschwüre, die schnell gebrochen werden, Partnertausch und Eifersuchtsszenen. Nikolaus Habjan, österreichischer Regisseur mit selbstgebauten Klappmaulpuppen als seinem Markenzeichen, verlegt das Experiment im Münchner Cuivilléstheater in einen Anatomiesaal mit Live-Musik von Kyrre Kvam.

Ironisch gebrochen mit den Puppen, die von Habjan und drei Schauspieler*innen (Mathilde Bundschuh, Arthur Klemt, Oliver Nägele) geführt werden, wird daraus unterhaltsames Theater. Aus dem Quartett sticht vor allem Nägele hervor, der sich als Eglé in die Zickenduelle wirft.

„Der Streit“ war trotz des angestaubten, selten gespielten Textes ein interessanter Einstieg in die Arbeitsweise von Nikolaus Habjan, der in Wien ein Star ist, aber in Deutschland noch weniger bekannt. Nachtkritikerin Sabine Leucht empfahl sein Solo „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“, das es noch zu entdecken gilt.

Bilder: Thomas Dashuber

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