Die bitteren Tränen der Petra von Kant

Hinter der Glaswand fallen sie wie zwei Raubtiere übereinander her: die Stardesignerin Petra von Kant (Bibiana Beglau) und das junge Model Karin Thimm (Andrea Wenzl), die sich auf eine Affäre einlässt, die Geliebte aber abserviert, sobald die nächsten Karriereschritte erreicht sind.

Intendant Martin Kušej inszenierte den Fassbinder-Klassiker mit Staraufgebot bereits 2012 auf der kleinsten Spielstätte des Residenztheaters, im Marstall, der üblicherweise experimentellen Formaten vorbehalten ist. Das Publikum sitzt um die quadratische Spielfläche herum, über die Beglau auf ihren High heels stakst. Fein säuberlich ist ein Meer von Glasflaschen aufgereiht, die nach und nach zu Bruch gehen.

Ständig an von Kants Seite ist die stumme Dienerin Marlene (Sophie von Kessel), die Petra von Kant so schonungslos behandelt wie sich selbst. Früh an diesem zweistündigen Abend ist Beglaus Rücken mit Kunstblut-Striemen übersät. Für Beglau, die mit Kušej in wenigen Tagen ans Wiener Burgtheater weiterzieht, ist ihr Auftritt als verzweifelte Frau, die in der hohlen Glamourwelt für kurze Zeit die erhoffte menschliche Nähe gefunden zu haben schien und dann umso wütender um sich schlägt, eine Paraderolle.

Andrea Wenzl und Bibiana Beglau tragen mit ihren beeindruckenden Leistungen dieses Kammerspiel hinter der Glasfront, in der sich das Publikum immer dann spiegelt, wenn Kušej nach der nächsten kurzen Szene ein Black setzt. In diesen Momenten sind die Schauspielerinnen nur schemenhaft zu erkennen, während sie auf ihre Position für die nächste Szene huschen und Bühnenarbeiter die Glasattrappen neu sortieren.

Bilder: Hans Jörg Michel

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