Once upon a time in … Hollywood

Zu einem Nostalgie-Trip in die späten 60er Jahre lädt der Filmnerd und B-Movie-Videotheken-Junkie Quentin Tarantino ein. Es geht zurück ins Jahr 1969, als Hollywood mitten im Umbruch war: die Zeit der großen Monumentalfilme war vorbei, mit „Easy Rider“ zeigten sich die Vorboten eines neuen, experimetellern Hollywood.

Besonders orienierungslos stolpert der fiktive Western-Serienheld Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) durch das verunsicherte Hollywood. Sein Rollentyp ist anscheinend nicht mehr gefragt, der schmierige Produzent Schwarz (Al Pacino) will ihm die „Italo-Spaghetti-Western“ schmackhaft machen, die damals in Rom am Fließband produziert wurden.

Von der Delle in der Karriere des TV-Stars ist auch sein Stunt-Double Cliff Booth (Brad Pitt) ganz unmittelbar betroffen. Er betätigt sich auch als Chauffeur und „Junge für alles“, nimmt die düsteren Aussichten aber wesentlich gelassener und lässt sich neugierig treiben. Unversehens gerät er in einen Kampf mit Bruce Lee, den er gegen das nächste Auto schleudert, oder in die Hippie-Kommune von Charles Manson vor den Toren von L.A.

Was könnte das bei diesem Regisseur und dieser Starbesetzung für ein Kino-Fest werden? Stattdessen schleppt sich der Film während der ersten beiden Stunden matt dahin. Zwischen den Anspielungen für Filmnerds und einem Ausschnitt aus dem Steve McQueen-Film „Gesprengte Ketten“, in den sich die DiCaprio hineinimaginiert, und den Partys auf dem Anwesen von Roman Polanski und seiner Frau Sharon Tate (Margot Robbie) hätte Tarantino durchaus ein paar mehr schöne Einfälle unterbringen können.

In der letzten halben Stunde legt er den Schalter um und bietet einen seiner typischen Splatter-Showdowns, als sich die Manson Family auf ihre mörderische Tour in die Hollywood Hills macht, und lässt sich immerhin noch eine hübsche Pointe einfallen, in der er Erwartungen unterläuft und reale Vorgänge in Tarantinos Phantasie einen ganz anderen Verlauf nehmen.

Bild: © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Photo by Andrew Cooper

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