Isson

Bereits 2003 hatte das tänzerische Kammerspiel „Isson“ der cie. toula limnaios Premiere, damals noch im Theater am Halleschen Ufer und von einem weiblichen Duo getanzt.

Es spricht für sich und die Qualität der Choreographie, dass der einstündige Abend auch anderthalb Jahrzehnte später noch im Repertoire der Gruppe ist. 2016 neu für zwei Männer bearbeitet und nach diversen Umbesetzungen ist „Isson“ (griechisch für „gleich“) an diesem Wochenende wieder in der Halle Tanzbühne im Prenzlauer Berg zu sehen.

„Solo für zwei Männer“ wird der Abend im Untertitel genannt. Ihre Choreographie spielt mit dem Doppelgänger-Motiv: Bis auf kleinere, wohl unvermeidliche Ungenauigkeiten tanzen sie über weite Strecken der 60 Minuten jede kleinste Bewegung synchron. Optisch haben der Brasilianer Leonardo d´Aquino und der Italiener Alessio Scandale eine gewisse Ähnlichkeit, sind aber doch klar auseinander zu halten.

In der zweiten Hälfte des Abends spielt Choreographin Toula Limnaios mit diesem Wahrnehmungsmuster und gibt den Tänzern für kurze Momente ihre Individualität. Mal führt wirklich nur einer der beiden eine Bewegung aus, mal tanzen sie einen Umzieh-Slapstick zeitversetzt in Wiederholungsschleifen.

Leonardo d’Aquino

Auf der Tonspur wird der Abend von Alltagsgeräuschen begleitet, besonders oft ist ein tropfender Wasserhahn in den ruhigen Momenten zu hören, in einer dynamischeren Szene rumpelt es wie bei der Ankunft eines Möbelwagens.

In der letzten Sequenz rücken die beiden Tänzer ganz nah an das Publikum heran. Da sie dicht vor der ersten Reihe, aber so weit auseinander stehen, müssen sich die Zuschauer*innen nun entscheiden, auf welchen der beiden sie sich fokussieren oder ständig den Kopf drehen. Das Doppelgänger-Motiv löst sich nun langsam auf, bevor der starke Applaus für die beiden Tänzer einsetzt.

Bild 1: cyan, Bild 2: Dieter Hartwig

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