Bombshell

Bemerkenswert ist „Bombshell“, das mit dem Untertitel „Das Ende des Schweigens“ am 13. Februar in den deutschen Kinos startet, aus zwei Gründen. Die #metoo-Debatte über die Männer, die ihre Machtposition ausnutzen und Frauen auf der Besetzungscouch zu sexuellen Gefälligkeiten nötigen, ist mit diesem Film genau dort angekommen, wo sie mit der Affäre Harvey Weinstein im Herbst 2017 ihren Ausgang nahm, nämlich in der Hollywood-Filmbranche.

Der Plot beruht auf wahren Begebenheiten und zeigt, wie einige Frauen im Jahr 2016 Roger Ailes (gespielt von John Lithgow) zu Fall brachten, der seine Chef-Position beim berüchtigten Sender Fox News jahrelang dazu genutzt hatte, sich Mitarbeiterinnen gefügig zu machen.

Der zweite bemerkenswerte Punkt an „Bombshell“ ist, dass er sehr deutlich gegen Donald Trump Position bezieht. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Handlung, wie er auf Twitter pöbelt und mit Journalistinnen umgeht.

Leider gelang es Regisseur Jay Roach, der in seiner Filmographie meist eher seichte Komödien vorzuweisen hat, nicht, aus dem brisanten Stoff einen sehenswerten Film zu machen. „Bombshell“ ist dramaturgisch zu holprig, verharmlost Fox News und zeichnet ein Zerrbild der Wirklichkeit. Susan Vahabzadeh schrieb in der Süddeutschen Zeitung treffend: „Fox News zeichnet er als normalen Nachrichtensender, bloß mit Belästigung, und Megyn Kelly als Vorkämpferin für Frauenrechte. Die Murdochs sind bei ihm keine politischen Drahtzieher, sondern Beobachter, die ganz irritiert aus der Ferne mitbekommen, dass Ailes – oh Schreck! – Mitarbeiterinnen belästigt hat.“

Es ist zwar geballte weibliche Hollywood-Prominenz vor der Kamera versammelt: Nicole Kidman als Gretchen Carlsson (langjährige Fox-Moderatorin und ehemalige Miss America, deren Entlassung 2013 den Stein ins Rollen brachte), Charlize Theron (nominiert für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin) als Megyn Kelly, die im Film lange mit sich ringt, auf welche Seite sie sich schlagen soll, und Margot Robbie (nominiert für einen Oscar als beste Nebendarstellerin), die eine fiktive Figur verkörpert, die sich aus Facetten mehrerer realer Vorbilder zusammensetzt.

Bei der Oscar-Verleihung reichte es jedoch nur für eine Trophäe, nämlich für das beste Make-up und die besten Frisuren. „Bombshell“ ist zwar thematisch bemerkenswert, kann aber filmisch nicht überzeugen und gehört zu den schwächeren Filmen dieses Oscar-Jahrgangs 2020.

Bild: © Wild Bunch Germany

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