Das Erbe

Als „Eine Assoziation zum NSU“ bezeichnen Olga Bach, Ersan Mondtag und Florian Seufert ihre Inszenierung, die im Juni 2017 in der Münchner Kammer 2 Premiere hatte.

Zombies im Einheitslook mit weißen Haaren und roter Haut bevölkern diesen Bühnenraum, werfen mit Zahlenkolonnen um sich. Leitmotivisch kehrt der Abend immer wieder zur NSU-Mordserie zurück: die Daten der rechtsextremen Terroranschläge werden heruntergerattert, die aberwitzigsten Dialoge aus den dicken Akten des Prozesses vor dem Münchner Landgericht wie z.B. die Aussage eines ehemaligen Innenministers werden karikiert und nachgespielt. Vor allem turnt eine Frau im Ersan Mondtag-typischen Nacktanzug über die Bühne, die Beate Zschäpe ähnelt und sich im Lauf der anderthalb Stunden zum wimmernden, krakeelnden Baby zurückentwickelt. Die Pointe des Stücks: Am Ende ist sie endlich so unschuldig, wie es Zschäpe im Prozess immer glauben machen wollte.

Der Abend bleibt ansonsten so stilisiert wie rätselhaft. In assoziativen Schleifen umkreist „Das Erbe“ sein Thema, ohne einen zwingenden Zugriff zu finden. Ästhetische Spielereien und kleine Regie-Einfälle tragen nicht über die 90 Minuten, die vor drei Jahren sehr durchwachsene Kritiken ernteten, mittlerweile nicht mehr im Repertoire sind und heute im digitalen Spielplan, der sogenannten Kammer 4, der Münchner Kammerspiele zu sehen waren.

Bild: Armin Smailovic

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