The Black Rider

Fast auf den Tag vor dreißig Jahren wurde am Hamburger Thalia Theater ein romantisches Musical-Märchen uraufgeführt, das sich zu einem der größten Erfolge des Hauses entwickelte.

Robert Wilson (Regie und Bühnenbild), Tom Waits (Musik) und William S. Burroughs (Text) sind das kongeniale Trio hinter dieser „Freischütz“-Adaption, die seitdem auf zahlreichen Bühnen nachgespielt wurde.

Leider gibt es von dem Abend nur einen ORF-Mitschnitt, als „The Black Rider“ bei den Wiener Festwochen 1990 gastierte. Trotz der begrenzten technischen Mittel der damaligen Zeit lässt sich in der zweistündigen Aufzeichnung erahnen, warum das Publikum damals so von diesem Stück schwärmte.

Die Musik von Tom Waits ist auch heute noch mitreißend. Der Regiestil von Robert Wilson mit seinen trippelnden, überschminkten, puppenhaft agierenden Figuren ist in dieser Inszenierung vom Zenith seiner Karriere wesentlich variantenreicher als bei Arbeiten aus seinem Spätwerk, die zu oft nur im manierierten Selbstzitat endeten.

Ein Blick in das Digital-Angebot des Thalia Theaters lohnt sich aber vor allem wegen der drei Hauptdarsteller: Dominique Horwitz sieht man mittlerweile viel zu selten auf der Bühne. Sein Gastspiel im tipi am Kanzleramt mit einer „Dreigroschenoper“-Version, die er ins China des Jahres 2071 verlegte, wurde jäh beendet, als die Theater wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. Als Teufel schlich er im „Black Rider“ stimmgewaltig und mit fiesem Grinsen über die Szenerie. Auch der zweite Hauptdarsteller ist heute kaum noch auf den Bühnen, stattdessen häufiger in Fernseh-Produktionen zu sehen: der Schweizer Stefan Kurt spielt den Amtsschreiber Wilhelm.

Dem Theater treu blieb nur die dritte Hauptdarstellerin: das Käthchen spielte damals Annette Paulmann. Wenn die Nachwuchsschauspielerin des Jahres 1990, die in Hamburg ihr erstes Engagement nach der Schauspielschule hatte, ihre markante Stimme mit spitzen Schreien einsetzt, ist schon viel von der Präsenz spürbar, die auch ihre aktuellen Auftritte im Ensemble der Münchner Kammerspiele auszeichnen.

Bilder: Hermann und Clärchen Baus

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