Tatort: Die Guten und die Bösen

Mit einem klassischen Krimi hat dieser „Tatort“ aus Frankfurt wenig gemein. Auch das Rätselraten, wer denn der Täter war, fällt diesmal aus: Polizeihauptmeister Ansgar Matzerath (Peter Lohmeyer) ruft das Duo Paul Brix (Wolfram Koch)/Anna Janecke (Margarita Broich) gleich schon im ersten Drittel des Films an den Schauplatz des Mordes, präsentiert die gefolterte Leiche und legt ein Geständnis ab.

Statt eines typischen Sonntags-Krimis ist die Episode „Die Guten und die Bösen“ ein Hybrid aus dreierlei:

Die beiden Theaterstars Broich und Koch waren mit dem Performen Ermittlungsarbeit, dem sorgenvollen Rätseln nach Motiven und dem stupiden Abfragen der Alibis, also der üblichen Routine eines TV-Ermittlers, schon immer unterfordert und würzten ihre Fälle deshalb gerne mit Sticheleien und verbalem Ping Pong.

Diesmal drehen sie die Schraube noch ein bisschen weiter, werfen sich gemeinsam mit Haushälterin Fanny (Zazie de Paris) in eine schräge, improvisierte Trash-Karaoke-Party zu Hits von Rammstein bis Wolfgang Petry und machen sich mit treffend-bösen Bemerkungen über die aufgeblasenen Floskeln des Change Management-Seminars bei Olivia Dor (Dennenesch Zoudé) lustig, zu dem sie von ihren Chefs verdonnert wurden.

Fanny (Zazie de Paris).

Das gesamte Polizeipräsidium ist eine sanierungsbedürftige Bruchbude. Ständig tropft es von den Decken. Ausgerechnet in den schäbigsten Ecken und hässlichsten Fluren darf Hobby-Fotografin Janeke ihre Bilder ausstellen.

In diesem skurrilen Mikroskosmos verwundert es nicht weiter, dass im Keller eine pensionierte Kommissarin sitzt, die einfach nicht los lassen kann. Wenn sie ihrem streunenden Hund nicht gerade den Ball zum Apportieren zuwirft, wühlt sie sich durch Akten ihrer ungelösten Fälle.

Neben manch witziger Pointen im Zusammenspiel der Kommissare ist diese letzte Rolle, die Hannelore Elsner wenige Wochen vor ihrem Krebs-Tod vor einem Jahr noch spielen konnte, der zweite Aspekt, der „Die Guten und die Bösen“ bemerkenswert macht. Der Film wird zur Hommage an Hannelore Elsner, die traurig und desillusioniert auf die Verbrechen blickt.

Als Klammer zwischen Polizeiarbeit-Comedy und melancholischer Hommage sollte eigentlich die dritte Zutat dieses Hybrids dienen: nämlich das Drama des eingangs erwähnten Polizisten, der Selbstjustiz übte, nachdem der Vergewaltiger seiner Frau straflos geblieben war. Regisseurin Petra K. Wagner und Drehbuchautor David Ungureit lassen ihre Schauspieler*innen minutenlang über den Sinn von Strafe räsonieren. Was durchaus interessant sein könnte, erschöpft sich jedoch in pseudophilosophischem Lamentieren. Lohmeyers Figur bleibt besonders blass: außer knappen Erklärungen, stoischem In-die-Ferne-Blicken und Kettenrauchen hat er wenig beizutragen.

Bilder: HR/Degeto

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