Medea

Fast ganz ohne Worte bis auf ein paar Sätze in einer Phantasiesprache erzählt Rieke Süßkow den „Medea“-Mythos in der Abschlussarbeit ihres Regie-Studiums an der Theaterakademie Hamburg.

Den Stoff der Mutter, die ihre Kinder tötete, verlegte sie in die steril-heile Welt amerikanischer Familienidyllen. Zur klebrig-aufgesetzten Fröhlichkeit des „Rama Lama Ding Dong“-Ohrwurms geht eine prototypische Kleinfamilie der 50er Jahre dem Alltag in ihrem Vorstadt-Häuschen nach.

Ihre Bewegungen sind minimalistisch und ritualisiert. Jedes Detail dieser sehr stilisierten Inszenierung macht überdeutlich, in was für einem Korsett die Menschen in dieser vielzitierten „Vorstadthölle“ stecken. Das dröhnende Schweigen ist beklemmend, nur das Schaben und Kratzen der Löffel auf dem Teller oder das Schlürfen der Zwillings-Kinder aus ihren Coca Cola-Flaschen ist zu hören.

Die Medea-Figur (Aleksandra Corovic) ist Jackie Kennedy nachempfunden, für ihre Gegenspielerin stand Marilyn Monroe Patin: zwei Frauen, die von vielen Zeitgenoss*innen geradezu als Ikonen verehrt wurden, jedoch an dem starren Korsett der Rollenerwartungen, in dem sie feststecken, sehr litten.

Dies ist der Bogen, den die „Medea“-Inszenierung von Rieke Süßkow schlägt, die beim festival internationalnog alternativnog teatra (FIAT) in Podgorica, Montenegro mit zwei Preisen (für beste Regie und beste Hauptdarstellerin) ausgezeichnet wurde und auch zum Fast Forward Festival für junge Regie im Herbst 2019 nach Dresden eingeladen war.

Ästhetisch ist diese Inszenierung in ihrer Konsequenz und Formstrenge bemerkenswert. Das spielerische Moment kommt jedoch kurz: der knapp einstündige Abend wirkt manchmal fast schon wie eine Installation.

Bilder: Nadja Häupl

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