Kokon

Im brütend heißen Sommer 2018 spielt dieser Coming of Age-Film von Leonie Krippendorff. Und zwar an einem unwirtlichen Ort, an dem sich dieser Sommer besonders klebrig und stinkend anfüllte, wie es Hauptfigur Nora im Vorspann auf den Punkt bringt: Im Kiez rund um das Kreuzberger Kotti in all seiner Rauheit, Schäbigkeit und Hässlichkeit erlebt Nora ihre Pubertät.

Der Schock-Moment des ersten Menstruationsbluts, das Noras Hose während der Sportstunde ruiniert, wird von Krippendorff in aller überdeutlichen Drastik gezeigt. Aus Scham zieht sich Nora auf die Schultoilette zurück, in ihrer Verzweiflung hilft ihr ausgerechnet Romy, die das krasse Gegenteil von Nora ist.

Lena Urzendowsky als nachdenkliche, ängstliche, mit großen Augen schauende und reflektierende Nora und Jella Haase als impulsive, lebensfrohe, die Aufmerksamkeit genießende Romy tragen diese Coming of Age-Geschichte über die erste Liebe.

Es war eine gute Wahl, mit „Kokon“ die Sektion „Generation 14plus“ der Berlinale 2020 zu eröffnen. Denn das Bemerkenswerte an diesem recht konventionellen Film über das Erwachsenwerden ist außer den starken Hauptdarstellerinnen, dass er das Lebensgefühl einer Generation, die zwischen Instagram-Stories und Kotti-Beton-Tristesse aufwächst, glaubhaft präsentiert.

Störend ist allerdings, dass die abgedroschene Pubertäts-Metapher der Raupe, die sich in einen Schmetterling verwandelt, vor allem am Ende allzu plump verwendet wird.

„Kokon“ sollte eigentlich schon im April ins Kino kommen, startete mit Corona-Verspätung jedoch erst am 13. August 2020.

Bild: Edition Salzgeber

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