Schachnovelle

Philipp Stölzls Adaption von Stefan Zweigs Bestseller ist zum einen eine elegante Literatur-Verfilmung für das Arthouse-Publikum und zum anderen eine bedrückende Studie über den Zerfall einer traumatisierten Persönlichkeit.

Der Film lebt von der Konfrontation des schmierig-dubiosen Notars Josef Bartok (Oliver Masucci in einer Paraderolle) mit dem bis zum strengen Seitenscheitel auf perfekte Manieren achtenden, gnadenlosen Gestapo-Mann Franz-Josef Böhm (Albrecht Schuch) in Wien unmittelbar nach dem „Anschluss“ an Nazi-Deutschland 1938. Eindringlich spielt Masucci die verschiedenen Stufen des Untergangs der Hauptfigur: Als belesener Bonvivant fühlt er sich den dumpfen Nazi-Schergen und ihren marschierenden Truppen anfangs weit überlegen. Unter der „Sonderbehandlung“ in einem zum Folter- und Verhör-Zentrum umgebauten Luxushotel, das einer jüdischen Familie geraubt wurde, bricht er nach und nach zusammen, bis er sich in eine Schiffsreise mit seiner Frau Anna (Birgit Minichmayr) ins US-amerikanische Exil und ein Schachduell mit dem Weltmeister Mirko Czentovic (Albrecht Schuch hinter Waldschrat-Rauschebart kaum wiederzuerkennen) hineindeliriert.

Albrecht Schuch in seiner Rolle als Franz-Josef Böhm

Drehbuchautor Eldar Grigorian und Regisseur Philipp Stölzl gelingt eine sehenswerte Adaption der Vorlage, die Zweig im brasilianischen Exil kurz vor seinem Suizid 1942 geschrieben hat. Der Film überzeugt auf beiden Ebenen: als in Dekors schwelgendes Historiendrama, das vor dem Vormarsch der Nazis warnt, aber auch als Psychogramm eines traumatisierten Opfers, das zwischen all den Überblendungen der zweiten Filmhälfte den Boden unter den Füßen verliert und am Terror der Nazis zerbricht.

Hauptdarsteller Masucci wurde bereits mit dem Bayerischen Filmpreis 2020 ausgezeichnet. Kurz nach dem Kinostart am 23. September 2021 geht die „Schachnovelle“ mit sieben Lola-Nominierungen in das Rennen um die Deutschen Filmpreise.

Bilder: Studiocanal /Walker + Worm Film/ Julia Terjung

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