Kurtuluş/Salvation

Seit seinem mit dem Caligari-Preis ausgezeichneten Debüt „Beyond the Hill“ im Berlinale Forum 2012 ist Emin Alper Stammgast auf den großen Festivals. Nach „Abluka/Frenzy“ (Venedig Wettbewerb 2015), „Eine Geschichte von drei Schwestern“ (in Dieter Kosslicks letztem Berlinale-Wettbewerb 2019) und „Burning Days“ (Cannes Un certain regard 2022) ist er mit „Kurtuluş“ (internationaler Titel: „Salvation“) zum zweiten Mal in den Wettbewerb der Berlinale eingeladen.

Wer Alpers bisherige Filme kennt, ahnt, dass man auch diesmal auf das im Titel versprochene erlösende Happy-End vergeblich warten wird. Bildstarke, düstere Dramen sind Alpers Metier, häufig lassen sie sich als Parabel auf die autokratische Herrschaft des türkischen Staatspräsidenten Erdogan lesen.

In seinem neuen Werk verschiebt sich der Fokus etwas. Im Zentrum steht der religiöse Fanatismus, den Hauptfigur Mesut (Caner Cindoruk) predigt. In der kurdischen Bergregion sind zwei Dörfer tief vefeindet. Während Scheich Ferit (Feyyaz Duman) für Versöhnung und Ausgleich wirbt, dabei aber vor allem auch die Machtinteressen seiner Glaubensgemeinschaft im Blick hat, ruft sein Bruder Mesut zum archaischen Auge um Auge, Zahn um Zahn auf. Angestachelt von religiösen Visionen wiegelt er das Dorf auf, den Bruder zu stürzen und zum finalen Massaker zu rüsten. Dass er die Blutfehde unter dem Deckmantel des Kampfs der türkischen Regierung gegen einen unscharfen Begriff von „Terroristen“ anheizt, ist eine der bitteren Pointen dieses lautstark dröhnenden Dramas. 

Am 15. Februar 2026 hatte „Salvation“ seine Premiere im Berlinale-Palast.

Bild: Liman Film

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