Einer der größten Tanz-Legenden des 20. Jahrhunderts widmete Kiril Serebrennikow eine biographische Revue: „Nurejew“ war ursprünglich eine Produktion des Moskauer Bolschoi-Theaters. Die Premiere 2017 musste um mehrere Monate verschoben werden, die Gründe wirken fadenscheinig, offensichtlich passte es Putin und seinen Gefolgsleuten nicht, dass hier ein widerständiger, seine Homosexualität auslebender Tänzer gefeiert wird, der aus der UdSSR in den Westen floh und an AIDS starb. Nach Anti-LGBTQ-Gesetzesverschärfungen musste die Produktion aus dem Bolschoi-Repertoire verschwinden, obwohl sie einige Preise gewonnen hat.
In seinem Berliner Exil konnte Serebrennikow seine „Nurejew“-Hommage mit dem Staatsballett Berlin neu einstudieren. Fast 150 Mitwirkende sind beim Schlussapplaus auf der Bühne: ein opulent ausgestatter szenischer Reigen, der wegen des Ballett-Korsetts nie so ausufert wie Serebrennikows letzte Sprechtheater-Crossover-Abende, z.B. „legende“.
Den roten Faden bildet die posthume Versteigerung bei Christie´s der Antiquitäten, die Nurejew angesammelt hat, und seiner bekanntesten Kostüme. Dazwischen werden markante Stationen seiner Biographie abgehandelt. In Erinnerung bleiben vor allem der zärtliche Pas de Deux mit seinem Liebhaber Erik Bruhn (hier von David Soares und Martin ten Kortenaar getanzt), seine Selbstinszenierung als Sonnenkönig, das Reenactment eines New Yorker Shootings mit Richard Avendon und die Verfolgungsjagd des Glabmour-Stars durch die Paparazzi.

Trotz einiger Längen entsteht eine schöne Hommage, die einen guten Überblick über das schillernde Leben des Star-Tänzers gibt. „Nurejew“ hatte am 21. März 2026 in der Deutschen Oper Berlin Premiere, weitere Vorstellungen folgen im März/April 2026 sowie April/Mai 2027. arte zeigte einen Live-Stream der Premiere, der Mitschnitt läuft im TV-Programm am 11. April 2026.
Bilder: Carlos Quezada