Ihr „Mephisto“-Erfolgsrezept versuchen Regisseurin Jette Steckel und Emilia Heinrich, die mit ihr an der Fassung gearbeitet hat, auch in dieser Spielzeit: wieder ein vielschichtiger Roman, wieder ein Stück im Stück, wieder ein seinem Publikum viel abverlangender Abend mit einem exquisiten Ensemble.
Mindestens drei Ebenen verschränkt Steckel, das Konstrukt knirscht jedoch an den Übergängen. Die Leichtigkeit, mit der die damalige Hausregisseurin zum Publikums-Liebling am Hamburger Thalia-Theater der Intendanz von Joachim Lux wurde, fehlt ihren verkopfteren Adaptionen im Schauspielhaus von Barbara Mundels Münchner Kammerspielen.
Mehr als vier Stunden dauert dieser Abend, der natürlich einige Kabinettstückchen zu bieten hat: Elias Krischke als tanzender, singender Kater Behemoth, Linda Pöppel als nackte Hexe, die durchs Foyer des benachbarten Hotels Vier Jahreszeiten und von der Live-Kamera verfolgt über die Maximilianstraße flitzt, und auch Wiebke Puls als diabolisch-abgeklärter Woland. Doch die Einzelteile fügen sich nicht so recht zum Ganzen, auch Thomas Schmauser, als Hendrik Höfgen im „Mephisto“ amtierender Schauspieler des Jahres, bleibt in seiner Doppelrolle als Roman-Figur „Meister“ und Roman-Autor Michail Bulgakow blass.

Überflüssig ist seine Qualmszene im ersten Teil und viel zu lang ist der Hypnose-Slapstick, den Wiebke Puls als zähes Mitmachtheater in die Länge zieht und die erst vorbei ist, als auch eine Statistin in zahlreichen Positionen in Fake-Hypnose versetzt worden ist. Umso unruhiger wird es im Publikum. Dramaturgisch klafft im zweiten Teil des Mammut-Abends ein Loch.
Wie ein Nachklapp wirken auch die Bilder und Namen der zahlreichen Autorinnen und Autoren von Algerien bis Vietnam, die inhaftiert sind. Ein Appell gegen Zensur und für Kunstfreiheit, der jedoch wie angeklebt wirkt und sich nicht organisch entwickelt.
„Meister und Margarita“ hatte am 6. März 2026 im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele Premiere.
Bilder: Armin Smailovic