Nicht zu verwechseln mit Derek Jarmans Spätwerk „Blue“, das der britische Avantgardefilmer fast blind vor seinem AIDS-Tod noch fertigstellen konnte, ist das Psycho-Kammerspiel „Blue Film“ des jungen US-Amerikaners Elliot Tuttle.
Zahlreiche Festivals haben seinen Film angeblich abgelehnt, beklagte er in Interviews, bevor er im vergangenen Jahr in Edinburgh rauskam. In den USA, die immer wieder durch besondere Prüderie auffallen und das Kunden-Abzock-Modell OnlyFans mit kindischen Teaser-Filmchen erfanden, sorgte dieser Film für Schlagzeilen, als er im Frühjahr in ausgewählten Kinos starten sollte.
Das Besondere an „Blue Film“ ist, dass er bietet, was „Pillion“ nur vollmundig versprach: die komplexe Machtdynamik von Dom/Sub-Beziehungen wird in diesem 82 Minuten kurzen, sehr dialoglastigen Film authentisch dargestellt.
Alex (Kieron Moore) verdient sein Geld als Findom-Camboy. Unter dem Pseudonym Aaron Eagle präsentiert er seinen tätowierten Körper und animiert seine Kunden mit Sprüchen, ihm möglichst viel Geld zu überweisen. Hank (Reed Birney) gibt ein Vermögen aus, um ihn eine Nacht lang als Escort zu buchen und einen Blick hinter die Fassaden zu werfen.
Die beiden belauern sich, verletzen sich, entblößen sich voreinander seelisch noch viel stärker als körperlich: das fragile Machtverhältnis zwischen den beiden kippt mehrfach. Der verbale Schlagabtausch mündet auch immer wieder in sexuelle Handlungen innerhalb dieses Dom/Sub-Roleplays, vor allem treten aber bittere Wahrheiten über das Leben von Hank zu Tage. Es stellt sich nicht nur heraus, dass er der Englisch-Lehrer von Alex in einem Provinzstädtchen in Maine war, sondern auch eine Haftstrafe wegen eines sexuellen Übergriffs an Minderjährigen verbüßte.
„Blue Film“ startete am 11. September 2026 in britischen Kinos. Der Guardian lobte die schauspielerischen Leistungen der Kontrahenten und fand das Werk „deeply disturbing“. In Deutschland präsentierte ihn Salzgeber am 14. September 2026 immerhin schon beim Queerfilmfestival in einigen Städten.
Bild: Obscured Releasing