Stammgast ist der Japaner Hirokazu Kore-eda schon lange auf den A-Festivals der Kino-Welt. Dieses Jahr schaffte er einen Doppelschlag: gleich nach „Sheep in the Box“ im Cannes-Wettbewerb lief sein nächster Film „Look Back“ im Wettbewerb von Venedig.
Der Film taucht tief in die Manga-Kultur seiner Heimat ein und ist die Real-Verfilmung der gleichnamigen Web-Graphic Novel (2024) von Tatsuki Fujimoto. Die Vorlage war in Japan ebenso ein Hit wie die Anime-Verfilmung von Kiyotaka Oshiyama, die erst zwei Jahre alt ist.
Typisch für Kore-edas Handschrift sind seine in jeder Szene spürbare menschenfreundliche, ganz unzynische Grundhaltung und seine Stärke, mit Kindern zu arbeiten. Diesmal tragen Furi Nanase und Rokka Okada, die im realen Leben Klassenkameradinnen sind, den Film. Die beiden Mädchen könnten gegensätzlicher kaum sein: die eine ist zielstrebig und selbstbewusst, die andere scheu und zurückgezogen. Beide eint die Leidenschaft, Mangas zu zeichnen und den Traum, eine bekannte Künstlerin zu werden.
Sanft und ein bisschen melodramatisch perlt „Look Back“ (Original: „Rukku Bakku“) dahin, begleitet von elegischer Musik. Im letzten Drittel gibt es eine überraschende, kolportagehaft wirkende Wendung, die allerdings auf einem realen Vorfall beruht, den der Comiczeichner zu verarbeiten hatte.
Etwas zu harmlos ist diese Hommage an die Manga-Community geraten. Wie eine Fußnote wirkt „Look Back“ im Werk des preisgekrönten Regisseurs. Bei der Premiere am 7. September 2026 im Wettbewerb von Venedig ging der Film leer aus. Es folgten Einladungen nach Hamburg in die Filmfest-Sektion Asiascope, nach London und Toronto. Der deutsche Kinostart steht noch nicht fest.
Bild: Wild Bunch Germany