Ein mit fast 2,5 Stunden überlanges Diskursdrama gewann in diesem Jahr die Goldene Palme in Cannes.
Cristian Mungiu, der 2007 mit „4 Monate, 3 Woche und 2 Tage“ schon einmal den Hauptpreis gewann, erzählt bei seiner 5. Einladung in den Wettbewerb dieses A-Festivals vom Aufeinanderprallt zweier Welten.
Hier die evangelikalen Eltern, die mit ihren fünf Kindern aus der Heimat des rumänischen Vaters (Sebastian Stan) in das Land der norwegischen Mutter (Renate Reinsve) zieht. Dort das Jugendamt, das nach ersten Vorwürfen auf den Plan gerufen wird. Auf den Körpern der Kinder wurden in der Schule blaue Flecken entdeckt. Resultieren sie aus drakonischer Erziehung mit Prügelstrafen?
Zu eindimensional, ohne die schillernde Ambivalenz von „Anatomie eines Falls“ (Cannes-Gewinner 2023), steuert der Film durch die vorgezeichneten Stadien von Ankunft, Ermittlungen, Gerichtsprozess und überstürzter Abreise.
Der Zusammenprall von religiös-fundamentalistischen Eltern mit dem liberal-säkularen Rechtsstaat bietet zwar durchaus Konfliktstoff, wird hier aber nicht interessant ausgelotet.
Die Verleihung der Goldenen Palme neben dem FIPRESCI-Preis im Mai 2026 war durchaus umstritten. Diese Woche hatte „Fjord“ seine Deutschland-Premiere beim Filmfest Hamburg. Der Rang des Metropolis Kinos mit seiner eingeschränkten Sicht und noch geringeren Beinfreiheit macht das ohnehin schon zähe Drama zu keinem Sehvermögen.
Der Kinostart ist für 7. Januar 2027 geplant, dann hoffentlich unter angenehmeren Bedingungen.
Bild: ©Tudor Panduru / Goodfellas / Alamode Film