Am besten konsumiert man diese Spielzeit-Eröffnung der Schaubühne als Konzert. Immer wieder brandet Szenen-Applaus auf, wenn das beeindruckend musikalische Ensemble die Songs performt, die Will Butler von der Indie Rock-Band Arcade Fire eigens für „Stereophonic“ komponiert hat. Besonders Moritz Gottwald, Magdalena Lermer und Eva Meckbach sind hier hervorzuheben.
Aus dramaturgischer und theatralischer Sicht hat diese deutschsprachige Erstaufführung hingegen erschreckend wenig zu bieten. Vor allem die erste Hälfte bis zur Pause dümpelt zäh vor sich hin. Wie konnte dieser dünne, klischeehafte Plot, den David Adjmi schrieb, nur zu einem solchen Broadway-Hit werden?
Kurz nach der Off-Broadway-Uraufführung schlug „Stereophonic“ im Golden Theatre in New York ein. Die ortsansässige altehrwürdige NYT veröffentlichte im April 2024 eine Hymne und bei der Verleihung der Tony Awards stellte „Stereophonic“ mit 13 Nominierungen einen neuen Rekord auf, 5 davon gewann es tatsächlich, u.a. für das beste Stück und die beste Regie.
Der Qualm, dem das Publikum ausgesetzt ist. ist enorm. Vor allem in der ersten Hälfte wird fast ständig geraucht. So wie es in den Tonstudios der 70er Jahre auch üblich war. In Magda Willis Bühnensetting erleben wir schluffig-bekiffte Männer wie den schon erwähnten Gottwald, Marcel Kohler mit langer Hippiemähne als zweiten Narzissten der Band und Stefan Stern als überforderten Tontechniker. Sympathischer kommen die beiden Frauen (Lermer und Meckbach) weg, die sich in der zweiten Hälfte von ihren jeweiligen Mackern und Band-Kollegen trennen.

Im Sommer 1976 ist die klischeehaft-dünne Handlung rund um diese fiktive Band angesiedelt. Von den Proben für das „Rumours“-Album von Fleetwood Mac, das 1977 erschien, ließ sich Adjmi inspirieren, wie in den Begleittexten zu erfahren ist. Im Programmheft-Interview mit Chefdramaturgin Maja Zade erwähnt er Led Zeppelin als weitere Kindheits-Inspiration.
Arg breitbeinig steht der Autor Adjmi nach deutlich zu langen, mehr als 3 Stunden vorne an der Rampe in Saal B der Schaubühne und wird vom regieführenden Intendanten Thomas Ostermeier noch besonders hervorgehoben. Die Wahrheit ist: zum Gelingen des Abends trug Adjmi am allerwenigsten bei. Dass diese Saison-Eröffnung nicht als lahme Musiker-Selbstbespiegelung komplett vor die Wand fährt, ist nur den tollen Songs von Butler, der sich bescheiden im Hintergrund hält, und dem musikalischen Talent des Sprechtheater-Ensembles zu danken.
„Stereophonic“ hatte als deutschsprachige Erstaufführung am 7. Oktober 2026 an der Schaubühne Premiere.
Bilder: Gianmarco Bresadola