Ehrengäste der Retrospektive

Anlässlich des 60. Jubiläums der Berlinale ist die Retrospektive der Geschichte des Festivals gewidmet. Die filmische Rückschau ist langjährigen Freunden und Bekannten Grund, gemeinsam mit uns zu feiern und in Berlin ihre Filme noch einmal zu präsentieren, mit denen sie in den vergangenen Jahrzehnten das Festival-Publikum begeistert haben.

Jeanne Moreau, dem Festival seit fast sechzig Jahren verbunden, wurde bereits zur 50. Berlinale für ihr Lebenswerk mit einem Goldenen Ehrenbären geehrt. Die Ikone und Muse der Nouvelle Vague und Grande Dame des französischen Kinos feierte einen ihrer großen Berlinale-Erfolge, gemeinsam mit Marcello Mastroianni, in Michelangelo Antonionis Film La Notte (Die Nacht), der 1961 den Goldenen Bären gewann.

Zu den regelmäßigen Gästen der Berlinale zählt auch der britische Filmemacher Stephen Frears. Drei Jahre bevor er 1999 für The Hi-Lo Country mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet wurde, war er 1996 mit einer ungewöhnlichen Version des Jekyll-und-Hyde-Stoffes zu Gast: Mary Reilly gehört zu jenen Werken im diesjährigen Programm, von denen Kurator David Thomson überzeugt ist, sie haben mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihnen seinerzeit zuteil wurde.

Die belgische Produktion Le Depart des polnischen Regisseurs Jerzy Skolimowski gewann 1967 den Goldenen Bären und gehörte zu den Höhepunkten des Festivals. In den Folgejahren realisierte Skolimowski seine Filme vor allem in Großbritannien, den USA und der Bundesrepublik Deutschland, bevor er sich ganz der Malerei zuwandte. Erst 2008 feierte er mit Cztery noce z Anną (Vier Nächte mit Anna) sein vielbeachtetes Comeback als Filmregisseur.

Der erste und einzige Film aus der DDR, der mit einem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, war Rainer Simons Die Frau und der Fremde im Jahr 1985. Die eindrucksvolle Literaturverfilmung der DEFA nach einem Text von Leonhard Frank konnte wegen ungeklärter Rechtefragen viele Jahre nicht gezeigt werden und ist erst seit 2008 wieder im Kino zu sehen.

Der Schauspieler Bruno Ganz ist seit 1978 mit schweizerischen und europäischen Produktionen auf der Berlinale zu Gast. Seine sensible Darstellung des Paul, der aus dem gewohnten Fluss des Lebens ausbricht, prägt Alain Tanners melancholisch-subtilen Film Dans la ville blanche (In der weißen Stadt), der 1983 auf der Berlinale zu sehen war.

Jeanne Moreau, Stephen Frears, Jerzy Skolimowski und Rainer Simon werden nicht nur ihre Filme im Kino vorstellen, sondern in der traditionellen Veranstaltungsreihe der Deutschen Kinemathek im Filmhaus am Potsdamer Platz über ihre Arbeit und ihr langjähriges Verhältnis zur Berlinale Auskunft geben. Zu Beginn des Festivals erläutert Kurator David Thomson seine Filmauswahl. Zwei Abende in der Veranstaltungsreihe sind den beiden diesjährigen Gewinnern der Goldenen Ehrenbären, der Schauspielerin Hanna Schygulla und dem Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, gewidmet.

In zwei Sonderveranstaltungen gewährt die Deutsche Kinemathek Einblicke in die Welt der Archive. Der sensationelle Fund der vermissten Teile von Fritz Langs Metropolis in Argentinien und die dadurch möglich gewordene nahezu vollständige Rekonstruktion des Films 83 Jahre nach seiner Uraufführung sind Thema eines Podiumsgesprächs am 13. Februar 2010. Am 15. Februar stellt die Archivplattform http://www.europafilmtreasures.eu einige ihrer Schätze mit Live-Musik und anschließendem Gespräch vor.

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