Gysi trifft Schorlemmer

Die monatliche Matinee von Gregor Gysi am Deutschen Theater war diesmal sehr ostdeutsch gesprägt: der Fraktionschef der LINKEN hatte den protestantischen Theologen und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer zu Gast. Wie gewohnt nahm der streitbare Kirchenmann aus Wittenberg kein Blatt vor den Mund und stichelte insbesondere gegen die Bundeskanzlerin. Während Schorlemmer und seine Geschwister als Pastorenkinder große Probleme hatten, in der DDR überhaupt zum Abitur zugelassen zu werden, und er deshalb auf eine Volkshochschule in der Nachbarstadt angewiesen war, durfte die ehemalige FDJ-Aktivistin und heutige CDU-Vorsitzende trotz ihrer Herkunft als Pastorentochter bekanntlich sogar studieren.

Einige Breitseiten feuerte Schorlemmer auch gegen die reaktionären Breitseiten von Papst Benedikt XVI. ab, der zur Ökumene nur Lippenbekenntnisse liefere und weltfremde Positionen beziehe. Am interessantesten waren seine Erinnerungen an die beiden Episoden, die ihn überregional bekannt machten: Im Herbst 1983 brachte er das DDR-Regime und den Stasi-Dienstherrn Erich Mielke zur Weißglut, weil es ihm auf dem Höhepunkt der Friedensbewegung und Nachrüstungsdebatte gelang, die spektakuläre Aktion Schwerter zu Pflugscharen im Wittenberger Kirchhof vom Westfernsehen filmen zu lassen.

Sehr umstritten sind seine Diskussionsbeiträge zu seiner Forderung nach Verbrennung der Stasi-Akten, da BILD ein Statement sehr verkürzt aus dem Zusammenhang riss und die anschliessenden empörten Protestbriefe ganze Aktenordner füllen.

Das Deutsche Theater Berlin

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