Elektra: Antike Tragödie als DT-Pop-Video-Crossover-Spektakel

Beifall und laute Buhs mischten sich im Deutschen Theater Berlin nach Stefan Puchers Inszenierung der Elektra von Sophokles.

Zwei Frauen standen im Mittelpunkt dieses mit 90 Minuten sehr kompakten Abends: Susanne Wolff als höhnisch-zickige, biestig-keifende Klytaimnestra und Katharina Marie Schubert als ihre Tochter, die Titelfigur Elektra in ihrer rasenden Wut und Verzweiflung mit solch stark geschminkten Trauerrändern, dass es wohl auch in der letzten Reihe des oberen Rangs übertrieben wirken dürfte.

Sie werfen sich die harschen Wahrheiten der Tragödienverse an den Kopf, die auch zweieinhalb Jahrtausende nach ihrer Uraufführung nichts von ihrer Wucht verloren haben und von Peter Krumme so übersetzt wurden, dass man den Rededuellen gut folgen kann.

Zwischen die Mühlsteine geraten Tabea Bettin als zweite Tochter Chyrsotemis, die sich dem Unrechtsregime von Aigist und Klytaimestra duckmäuserisch anpassen will, und Anita Vulesica, die als Chor die Stimme der abwägenden Vernunft gibt und die Handlung mit Popsongs kommentiert. Diese Songs, von einer Band live begleitet, und Chris Kondeks im Hintergrund flackernde Video-Aufnahmen sind das Markenzeichen von Stefan Puchers Regie-Stil.

Was sich in seiner Hedda Gabler-Inszenierung zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk fügte und ironische Akzente setzte, wirkt diesmal an einigen Stellen zu beliebig und lenkt vom eigentlichen Drama ab. Elektra, die wütend zu ihrer E-Gitarre greift und den Schmerz über den vermeintlichen Tod ihres Bruders hinausschreit, schafft einen starken Moment. Die übrigen Regieeinfälle wirken eher gekünstelt.

Weitere Informationen und Termine 

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