Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ an der Schaubühne

Rainer Werner Fassbinders Arbeitswut ist legendär. Im Akkord legte er in den 1970er Jahren einen Film nach dem anderen vor, so dass er ein umfangreiches Werk hinterließ, als er 1982 viel zu früh starb.

Oft eckte er mit seinen provozierenden Stoffen an. Mit Die Ehe der Maria Braun konnte er jedoch sowohl beim Kino-Publikum als auch bei der Filmkritik reüssieren: der Auftakt Fassbinders sogenannter BRD-Trilogie war kommerziell an den Kinokassen ungewöhnlich erfolgreich. Hanna Schygulla wurde für ihre Titelrolle mit dem Silbernen Bären bei der Berlinale ausgezeichnet. Auch international wurde das Werk als Vertreter des Neuen Deutschen Films viel beachtet.

Regisseur Thomas Ostermeier brachte dieses Polit-Melodram aus den Wirtschaftswunder- und Aufbaujahren bereits im Juni 2007 auf die Bühne der Münchner Kammerspiele: Die Inszenierung wurde 2008 zum Berliner Theatertreffen eingeladen und 2009 auch von der Berliner Schaubühne übernommen, deren Künstlerischer Leiter Thomas Ostermeier ist.

An diesem September-Wochenende war die Wiederaufnahme dieses Dauerbrenners zu erleben: im 50er-Jahre-Bühnenbild schwirren die Männer in wechselnden Rollen und auch mal in Frauenkleidern oder ohne Kleidung um die zentrale Figur Maria Braun, die hier von Ursina Lardi verkörpert ist. Schnelle Heirat auf dem Standesamt im Krieg, vergebliches Warten auf ihren Hermann, Flirt mit einem G.I., als Hermann überraschend aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause kommt, erschlagen sie gemeinsam den Liebhaber. Während ihr Mann im Gefängnis sitzt, macht sie Karriere, um dann doch festzustellen, dass sie Spielball und Marionette war. Illusionen platzen, das eheliche Glück geht in Flammen auf.

Ostermeier hält sich recht penibel an das Drehbuch der Filmvorlage. Hier stellt sich aber die Frage, was der Regisseur damit bezwecken wollte, den Stoff aus den 50er Jahren auch drei Jahrzehnte nach seiner Leinwand-Premiere mit kleinen Varianten noch mal auf die Bühne zu bringen. Es erschloss sich an diesem Abend nicht, was Ostermeier konkret an- oder umtreibt und ob es ihm um mehr als eine Verbeugung vor Fassbinder geht.

Ein Plus dieser Inszenierung sind die kleinen Zitate und Originalaufnahmen, die geschickt eingeflochten werden: Mal ruft Herbert Zimmermann in seiner legendären Radioreportage des Wunders von Bern: „Aus dem Hintergrund müsste schießen“, mal widerspricht sich Bundeskanzler Konrad Adenauer selbst, wenn er sich zunächst gegen und dann für eine Wiederbewaffnung ausspricht.

Die Ehe der Maria Braun an der Schaubühne

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