„A most wanted man“: Philipp Seymour Hofman verstrickt sich im düsteren Hamburg

Mit großer Spannung wurde der Spionage-Thriller A most wanted man erwartet – aus mindestens drei Gründen: Der Autor der Romanvorlage, John le Carré, ist Garant für dramaturgisch klug komponierte Polit- und Spionagethriller. Der Regisseur Anton Corbijn hat sich als Fotograf Weltrum erarbeitet, mit seinem Leinwand-Debüt Control (2007) aufhorchen lassen, seinen zweiten Film The American (2010) aber derart in den Sand gesetzt, dass er nun einiges wieder gut zu machen hat. Vor allem wegen Philip Seymour Hofman, einem der großen Charakterdarsteller Hollywoods, der Anfang des Jahres nach übermäßigem Drogenkonsum tot aufgefunden wurde und hier in seiner letzten Rolle zu erleben ist.

Er spielt den übergewichtigen, kettenrauchenden Chef einer geheimen Kommandoeinheit in Hamburg, die als Konsequenz aus 9/11 und den unentdeckten Schläfern der Terrorzelle um Mohammed Atta das islamistische Milieu mit unkonventionellen Methoden im rechtlichen Graubereich unterwandern. Die Einsatzorte seines Teams, das aus einer ganzen Reihe interessanter deutscher Schauspieler in dieser internationalen Ko-Produktion besteht (Daniel Brühl, Nina Hoss, Kostja Ullmann, Franz Hartwig), sind unwirtliche Orte wie düstere Kaschemmen am Hafen, Suppenküchen von Obdachlosen und ihr Hauptquartier in einer Garage – aber durchaus auch mal das ehrwürdige Atlantic an der Binnenalster, wo sie ein Gespräch des zwielichtigen Bankers (überzeugend: Willem Dafoe) mit einer Menschenrechtsanwältin (Rachel McAdams) belauschen.

Auffällig ist, wie bewusst der Film mit den Sehgewohnheiten des Genres bricht: sehr langsames Tempo, das z.B. gemessen an der Bourne-Trilogie wie in Zeitlupe wirkt, keine blutigen und gewalttätigen Szenen. Das Wort steht im Mittelpunkt, um so mehr, je tiefer sich die Einheit in ein schwer durchschaubares Geflecht verstrickt. Ihre Pläne werden mit Argusaugen von der deutschen Exekutive und den CIA-Kontaktleuten an der US-Botschaft (hier glänzend gespielt von Robin Wright, die an ihre Rolle als Claire Underwood in House of Cards anknüpft) verfolgt.

Das Ganze ist solide inszeniert, durchaus spannend, hinterlässt aber nach knapp zwei Stunden keinen nachhaltigen Eindruck. Gemessen an den hohen Erwartungen war das Ergebnis nur passabel.

A most wanted man. D/GB/USA, 123 Minuten. Kinostart war am 11.9.2014

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