„achtung Berlin“-Festival-Höhepunkt „Im Sommer wohnt er unten“

Der große Sieger des 11. achtung berlin-Festivals spielte nicht an der Spree, sondern unter der Sonne Südfrankreichs: Tom Sommerlattes Im Sommer wohnt er unten stieß schon zur Eröffnung der Berlinale-Sektion Perspektive Deutsches Kino auf positive Resonanz und erhielt eine „Lobende Erwähnung“ der Jury des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Beim achtung berlin-Festival, das neuem, deutschem Kino aus Berlin und Brandenburg eine Bühne bieten möchte, wurde Sommerlattes erstaunliches Debüt mit dem Hauptpreis für den Besten Spielfilm ausgezeichnet und Godehard Giese als Bester Schauspieler ausgezeichnet.

Die Idee, zwei Brüder, die völlig unterschiedliche Lebensstile pflegen, aufeinanderprallen zu lassen, ist garantiert nicht neu und wirkt auf den ersten Blick nicht besonders spannend: hier der kiffende, drei-Tage-bärtige Matthi (Sebastian Fräsdorf), der am liebsten in den Tag hineinlebt. Statt wie es sich für einen „echten Landberg“ gehört, in den Frankfurter Bankertürmen Finanz-Deals einzufädeln, lässt er sich lieber die Sonne im Garten der südfranzösischen Villa der Familie auf den Pelz scheinen. Dort der vor Hochmut und Tatendrang schier zerberstende David, den Godehard Giese als Widerling anlegt, der mit seiner Besserwisserei nicht nur dem Bruder und dem Publikum auf die Nerven geht, sondern auch für seine Verlobte unerträglich wird.

Tom Sommerlatte bewies mit Im Sommer wohnt er unten ein gutes Gespür dafür, aus der einfachen Grundkonstellation ein unterhaltsames Familiendrama zu gestalten: herausragend ist der Soundtrack französischer Chansons, der die Stimmungen der Figuren sehr gut widerspiegelt. Das Schauspieler-Ensemble verkörpert die sich verschiebenden Macht-Konstellationen in diesem Beziehungs-Fünfeck überzeugend. Ruhige Einstellungen wechseln sich mit sportlichen Herausforderungen und Psychospielchen ab.

Weniger gelungen war Lichtgestalten: der zweite Film von Christian Moris Müller war zwar mit Max Riemelt sehr prominent besetzt und hatte auch eine interessante Grundidee zu bieten: ein gutsituiertes Paar Mitte Dreißig ist von seinem bisherigen Leben angeödet. Lukrative Projekte sorgten für ein gut gefülltes Bankkonto und eine mit erlesenen Designer-Möbeln ausgestattete Dachgeschosswohnung in Berlin-Mitte. Sie beschließen, komplett auszusteigen: die gesamte Ausstattung zu zertrümmern, die Wohnung zu verkaufen und spurlos abzutauchen.

Die Geschichte findet keinen eigenen Rhythmus und dreht sich zu sehr im Kreis um sich selbst, die Kameraführung im Loft versucht zu angestrengt, künstlerisch wertvolle Aufnahmen zu schaffen, und wirkt zu manieriert, so dass es Lichtgestalten nicht schafft, das Publikumsinteresse über die gesamten 81 Minuten aufrechtzuerhalten.

Das 11. achtung berlin-Festival vom 15.-22. April 2015

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