„Dämonen“ an der Schaubühne: ein Stellungskrieg, der sich Ehe nennt, und Ratten auf dem Grabstein

Dieses Aufeinandertreffen von vier neurotischen Mittdreißigern in der Wohlstandshölle einer Designer-Küche ist sichtlich von Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? inspiriert.

Frank und Katarina können nicht mit-, aber auch nicht ohneeinander. Sie haben sich hoffnungslos ineinander verhakt. Demütigen und demütigen lassen ist das Grundprinzip ihres Aneinander-Vorbei-Lebens. Sie kennen jede Pore des Körpers und jede emotionale Schwachstelle des anderen. Gegenseitig jagen sie sich durch dieses Minenfeld. Sie werfen sich Unverschämtheiten in aller Lässigkeit an den Kopf. Statt der Pest an den Hals wünschen sie sich Ratten auf den Grabstein.

Als das Badezimmer schon mit Glasscherben übersät ist, kommen die beiden Nachbarn aus dem ersten Stock wie gerufen, um etwas Abwechslung in diesen Stellungskrieg, der sich Ehe nennt, zu bringen. Der durchs Leben schlurfende Thomas (Tilman Strauß), der dem ganzen Drama mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund folgt, und seine Jenna (Eva Meckbach), die kein anderes Gesprächsthema als die körperlichen Auswirkungen ihrer Schwangerschaften und den Stress mit den Gören hat, sind für die beiden Nahkampf-Profis Frank (Lars Eidinger) und Katarina (Cathleen Gawlich statt Brigitte Hobmeier bei der Premiere 2010) natürlich nur Sparringspartner.

Erst drischt man nur mit Fäusten aufeinander ein, provoziert sich mit Anzüglichkeiten, Seelenstriptease und lässt auch sonst gerne mal die Hüllen fallen. Dann fliegen auch die Fäuste, als der phlegmatische Thomas ausrastet, seiner Jenna den Laufpass gibt und sich auf Katarina stürzt, die gleich danach im Ascheregen ihrer Schwiegermutter versinkt.

Thomas Ostermeiers Inszenierung von Lars Noréns Dämonen ist eine gutgeölte Ehehöllen-Groteske, die manchmal etwas plakativ und zotig daherkommt, aber ansonsten treffsicher die Leiden von Paarbeziehungen aufspießt. Auch mehr als fünf Jahre nach der Premiere sorgen die Dämonen mit ihren zugespitzten Dialogen für viel Gelächter, ein volles Haus und langen Applaus.

Dämonen von Lars Norén, aus dem Schwedischen von Angelika Gundlach. – Regie: Thomas Ostermeier, Bühne und Kostüme: Nina Wetzel, Musik: Nils Ostendorf, Video: Sebastian Dupouey, Dramaturgie: Bernd Stegemann, Licht: Erich Schneider. – Mit: Lars Eidinger, Cathleen Gawlich, Eva Meckbach, Tilman Strauß. – Ca. 2 h 15 Minuten, ohne Pause. – Premiere an der Berliner Schaubühne: 2. März 2010

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