Golden Globe-Gewinner und Oscar-Favoriten: Leonardo Di Caprio als „The Revenant“ und Eddie Redmayne als „The Danish Girl“

„The Revenant“, der neue Blockbuster von Alejandro Gónzalez Iñárritu nach „Birdman“, hat eigentlich zwei Hauptdarsteller: Natürlich Leonardo Di Caprio als wortkarger Rächer, der nach dem Angriff einer Bärin schwer verletzt allein zurückgelassen wurde und sich mit letzter Kraft durch die Eiswüste robbt. Aber auch die Kamera von Emmanuel Lubezki, der schon im Weltraumdrama „Gravity“ seine Brillanz bewiesen, sich diesmal aber selbst übertroffen hat. Wie er die Kamera um die Protagonisten kreisen, tanzen und schweben lässt, ist meisterhaft.

Den Oscar für die Beste Kamera dürfte Lubetzki deshalb kaum jemand streitig machen können, wenn die Academy Awards am 28. Februar vergeben werden. Spannender wird das Rennen um die begehrte Trophäe für den Besten Hauptdarsteller: DiCaprio ist spätestens seitdem er am Wochenende den „Golden Globe“ bekommen hat einer der Top-Favoriten. Er war zwar bereits dreimal in der engeren Auswahl der Oscar-Nominierten (2005 als „Aviator“, 2007 mit „Blood Diamond“ und 2014 für die Hauptrolle in Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“), ging aber jedes Mal leer aus.

Das könnte ihm auch diesmal wieder drohen. Ernsthafte Konkurrenz macht ihm neben Matt Damon in Ridley Scotts „Der Marsianer“ vor allem der Brite Eddie Redmayne, der als Überraschungs-Oscargewinner des vergangenen Jahres für seine Rolle als Physiker Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ ausgezeichnet wurde. Diesmal ist Redmayne mit seinem überzeugenden Auftritt als dänischer Maler Einar Wegener/Lili Elbe zu erleben, der/die sich als eine(r) der ersten transsexuellen Menschen in den Jahren 1930/31 mehreren Operationen zur Geschlechtsumwandlung in Berlin und Dresden unterzogen hat, jedoch an den Komplikationen der dritten OP gestorben ist.

Tom Hoopers Film beruht auf wahren Begebenheiten und folgt den Schilderungen aus Lili Elbes 1931 erschienener Autobiographie „Fra mand til kvinde“ und David Ebershoffs Bestseller-Roman „The Danish Girl“ (2000) schrieb. Redmayne prägt diesen Film mit seinem sensiblen Spiel. Der Hauptdarsteller rettet „The Danish Girl“ auch davor, in süßlichen Kitsch abzugleiten. Der Klangbrei, der über diesem Hollywood-Film ausgegossen wurde, ist über weite Strecken schwer zu ertragen. Susan Vahazadeh fühlte sich in der SZ zurecht an eine „Überdosis Lebkuchen“ erinnert. Da der Film abgesehen von der Leistung des Hauptdarstellers offensichtliche Schwächen hat, spielt „The Danish Girl“ im Wettkampf um die Trophäe für den „Besten Film des Jahres“ keine Rolle mehr.

„The Revenant“ ist auch in dieser Königsklasse „Film des Jahres“ weiter im Rennen und bringt es auf insgesamt 12 Nominierungen. Ob es allerdings gegen die starke Konkurrenz auch für die prestigeträchtige Auszeichnung als „Bester Film“ reicht, wird sich vor allem an der Frage entscheiden, wie die Jury auf die Brutalität von „The Revenant“ reagiert. „Muss man wirklich alles zeigen?“, fragte Teresa Corceiro in ihrem Kulturzeit-Beitrag angesichts der herausquellenden Eingeweide und in Großaufnahme regelrecht zelebrierter Gemetzel? Optisch erschlägt der Film sein Publikum regelrecht mit seiner Kunstfertigkeit, inhaltlich bleibt die Rachegeschichte recht eindimensional.

Auf den Oscar für die beste weibliche Hauptdarstellerin können sich Cate Blanchett als „Carol“ und Charlotte Rampling in „45 Years“ Hoffnungen machen. Diese Filme starteten bereits im Dezember bzw. September in unseren Kinos, ich habe sie hier und hier besprochen. Vielleicht gewinnt aber auch ein noch recht unbeschriebenes Blatt: Brie Larson räumte für ihre Rolle in „Room“, der bei uns erst Mitte März startet, den „Golden Globe“ ab.

Im Schatten der großen Hollywood-Produktionen steht traditionell der Wettstreit um den besten fremdprachigen Film: Hier drücke ich dem jordanischen Debüt-Film „Theeb“ die Daumen, den ich bei seiner Berlin-Premiere während des „Around the World in 14 film“-Festivals gesehen habe.

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