Hans im Unglück

Bertolt Brechts Frühwerk „Baal“ist uns auch heute noch ein Begriff: Volker Schlöndorffs Verfilmung mit dem jungen Fassbinder wurde vor einigen Jahren aus dem Giftschrank geholt und bei der Berlinale wiederaufgeführt. Das Deutsche Theater Berlin inszenierte den Stoff gleich zwei Mal kurz hintereinander in den Kammerspielen: 2008 mit einem fulminanten Mirco Kreibich, 2014 in einer missglückten Bearbeitung von Stefan Pucher. Für den größten Wirbel sorgte Frank Castorfs „Baal“ im Frühjahr 2015,  der nach einer Klage von Brechts Erben schnell wieder vom Spielplan verschwinden musste.

Wesentlich unbekannter ist Brechts „Hans im Glück“-Bearbeitung. Der damals 21jährige Nachwuchs-Dramatiker bürstete das Märchen der Brüder Grimm gegen den Strich. Auch bei Brecht ist der Hans eine naiver Traumtänzer. Er ist aber alles andere als ein Glückskind, sondern der geborene Verlierer, der betrogen und bestohlen wird

Das Stück beginnt schon damit, dass ihm ein Rivale die Frau ausspannt: die erste Station seines Abstiegs. In seiner Opferrolle ähnelt Brechts „Hans“ dem „Woyzeck“ von Büchner. Deshalb ist es eine stimmige Besetzung, dass Peter Miklusz am Berliner Ensemble in beiden Hauptrollen zu erleben ist: als Hans in dieser Brecht-Ausgrabung auf der Nebenbühne (im Pavillon) und in Leander Haußmanns „Woyzeck“, der die Große Bühne am Schiffbauerdamm zum Beben bringt.

Als armer Tropf stakst er durch die von Live-Musik untermalten Szenen. Stark überzeichnete Figuren machen ihm das Leben schwer: das lüsterne Karussellweib (Anke Engelsmann), der schmierige Herr Feili (Matthias Mosbach), der ihm seine Hanne (Antonia Bill) wegnimmt, die drei Ganoven (Peter Luppa, Marko Schmidt, Felix Tittel), die ihm auch noch seine Gans rauben.

HANS IM GL†CK -  Berliner Ensemble
HANS IM GL†CK von Bertolt Brecht ERSTE FOTOS – 2.Fotoprobe Mit: Antonia Bill, Anke Engelsmann, Marina Senckel; Peter Luppa, Peter Miklusz, Matthias Mosbach, Marko Schmidt, Felix Tittel Inszenierung: Sebastian Sommer BŸhne und KostŸme: Maria-Elena Amos Dramaturgie: Steffen SŸnkel Premiere am 01.MŠrz 2014 im Berliner Ensemble.

Das ist von Brecht ganz munter erzählt. Es ist aber nicht verwunderlich, dass der junge Brecht seine Märchen-Adaption selbst misslungen fand. Er notierte in seinem Tagebuch: „Ein Ei, das stinkt.“ und das Stück in der Schublade konsequenterweise verschwinden. Erst 1998 wurde es in Hamburg uraufgeführt.

Sebastian Sommer machte daraus dennoch einen ganz amüsanten Abend: Die Szenen schnurren anderthalb Stunden reibungslos vor sich hin, die grotesken Begegnungen, in die Hans hineinstolpert, sorgen für Lacher im Publikum, das für die  kurzweilige Unterhaltung dankbar ist.

Seit der Premiere im März 2014 ist sein „Hans im Glück“ eine gut besuchte Ergänzung auf dem Spielplan von Brechts traditionsreichem Berliner Ensemble.

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Bilder: Lucie Jansch

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