Die seufzende Helene

Katharina Thalbach und Ulrich Matthes lesen aus dem Briefwechsel von Bertolt Brecht und Helene Weigel

Kopfschüttelnd und mit Stoßseufzern beklagt Katharina Thalbach die Zustände im Theater am Schiffbauerdamm: Die Regieassistenten sind schon ab 14 Uhr nicht mehr im Haus. Auch sonst geht es drunter und drüber. Es gibt zwar eigentlich klare Absprachen, wer wofür zuständig ist. Aber am Ende macht anscheinend doch jede und jeder, was er will.

Nein, Katharina Thalbach zielt mit ihrer Kritik natürlich nicht auf die Intendanz von Claus Peymann. Sie liest aus Briefen von Helene Weigel an Bertolt Brecht. Nach einer Übergangslösung im Deutschen Theater zogen sie 1954 mit dem Berliner Ensemble in dem traditionsreichen Haus ein.

Diese Plaudereien aus dem Alltag eines Intendantenpaares sind der anschaulichste Teil des Briefwechsels „Ich lerne: Gläser und Tassen spülen“, den Suhrkamp im Herbst 2012 veröffentlichte. Ansonsten beschränkt sich die Korrespondenz über weite Strecken auf „Mitteilungen, Anweisungen, Meldungen“, wie schon Fritz J. Raddatz in seiner ZEIT-Rezension vom 8. November 2012 feststellte.

Diese „sprachliche Askese“ (Hannelore Schaffer in der Süddeutschen Zeitung vom 12. Juni 2013) macht es Ulrich Matthes (als Brecht) und Katharina Thalbach (als Weigel) für schwer, den Abend wirklich lebendig zu gestalten. Erschwerend kommt hinzu, dass erst nach 25 Minuten Thalbach zum ersten Mal ihre Stimme erhebt; bis dahin ist es ein Matthes-Monolog aus mehreren Brecht-Briefen.

Die Lesung fand am Berliner Ensemble am 20. April 2016 statt. Ein weiterer Termin ist für den 19. Mai 2016 geplant.

Bild: Marcus Lieberenz

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