Effi Briest

Ironische Radio-Show mit viel Pop und Soul zum Fontane-Klassiker

Zum Abschluss des Theatertreffens 2016 gab es auf der Seitenbühne noch einen kleinen Abend zum Schmunzeln.

Clemens Sienknecht und Barbara Bürk nahmen sich Theodor Fontanes „Effi Briest“ vor und kramten eine Hörspielfassung von Gert Westphal aus dem Jahr 1988 aus dem Archiv.

Das Regie-Duo pickte sich die markantesten Stellen aus dem Roman heraus und bettet sie in eine Radio-Show im 70er Jahre-Look ein: „Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“ aus der Reihe “ aus der Reihe „Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur“ ist ihr Abend überschrieben.

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Mit großem Mut zu hässlichen Langhaarperücken und altmodischen Wollpullovern kommt das Ensemble auf die Bühne. In der ersten Hälfte werden einige Kalauer allzu sehr breitgetreten und auch der lustig gemeinte Werbejingle wird ein paar mal zu häufig eingespielt.

Im Lauf des Abends funktioniert das Konzept besser: Die Roman-Szenen werden mit einem unterhaltsamen Mix aus Pop-Balladen und Soul-Hits ironisch kommentiert.

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Der „Effi Briest“-Abend, der am 19. September 2015 im Malersaal des Schauspielhauses Hamburg Premiere hatte, ist ein  Abend mit skurrilen Einfällen, der vor allem für zwei Zielgruppen geeignet ist:

Für jene, die sich durch die Ehebruchstragödie „Effi Briest“ zu Schulzeiten hindurchquälten und mitten in ihren eigenen Pubertätssorgen von den Duell-Ritualen und Ehrvorstellungen des preußischen 19. Jahrhunderts genervt waren.

Und für jene, die sich nostalgisch an die 70er Jahre und die damalige Flokati-Zottel-Mode erinnern.

Für alle anderen ist es ein netter, recht kurzweiliger Abend, der nach mehreren Jury-Fehlgriffen und einem schwachen Theatertreffen-Jahrgang 2016 am Ende noch etwas gute Laune verbreitet.

Den beiden Marthaler-Schülern Sienknecht und Bürk ist außerdem zu Gute zu halten, dass sie ihren Meister übertrumpfen: ihre Effi Briest-Radishow ist wesentlich gelungener als Marthalers fader Country-Freizeitpark-Ausflug, den er uns zuletzt an der Volksbühne zumutete.

„Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“: Nächste Termine in Hamburg. Beim Berliner Theatertreffen ist der Abend vom 20. bis 22. Mai 2016 mit vier Vorstellungen zu Gast

Bildrechte: Matthias Horn

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