Apokalypse

Wolfram Koch-Show nach der Offenbarung des Johannes

Langsam krabbelt er aus seinem Schacht heraus: Wolfram Koch setzt zu einer Solo-Show an. Mehr als 90 Minuten arbeitet er sich durch den Text der biblischen Apokalypse.

Luthers Übersetzung ist in ihrer Altertümlichkeit ohnehin etwas schwierig zu verstehen, hin zu kommt aber, dass der Schauspieler stellenweise zu sehr nuschelt und somit manchmal nur ein Wortbrei in den steil aufsteigenden, plastikbestuhlten Reihen der Volksbühne ankommt.

Was er ansonsten macht, ist durchaus virtuos: Als Clown ist Wolfram Koch in Hochform. Er streckt die Zunge raus, zieht Grimassen, springt und albert, und das alles nach einem 35 Grad-Tropentag.

An seiner Seite hat er die Souffleuse Elisabeth Zumpe, die ihm den Text leise murmelnd vorspricht. Der Musiker Ingo Günther hält sich meist im Hintergrund, übertönt den Monolog aber teilweise mit seinem Mini-Synthesizer, seinem Xylophon und seiner Harfe.

Kurz vor Schluss schlüpft Koch noch in ein hautenges Harlekinskostüm und treibt seinen Interpretationsansatz damit auf die Spitze. Als er zurück in seinen Schacht plumpst, ist das Publikum gespalten: Langanhaltender Beifall von den einen; viele andere drängen missmutig zum Ausgang.

Der Abend war eine nette Clownerie für Fans des Schauspielers Wolfram Koch und Regisseurs Herbert Fritsch. Die „Apokalypse“ dreht sich aber doch allzu selbstverliebt nur um die eigene Achse. Eine Entwicklung oder ein tieferes Ausloten des Textes sucht man bei Fritsch und Koch vergeblich. Allzu sehr gleicht diese Apokalypse auch Fritschs „Don Giovanni“-Inszenierung, den er als gejagten Clown über die Bühne der Komischen Oper toben lässt.

Plakatmotiv: Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz/LSD/Lenore Blievernicht

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