Buch. Berlin

An den Schauspielerinnen und Schauspielern liegt es nicht an: Wiebke Mollenhauer brüllt sich mit spitzen Schreien die Seele aus dem Leib. Benjamin Lillie singt „House of the rising sun“ auf Schwedisch. Und auch seine drei Kollegen aus dem DT-Ensemble (Linn Reusse, Jörg Pose und die schon erwähnte Wiebke Mollenhauer) haben tolle Gesangs- und Gitarrensoli. Wenn Armin Petras wieder eine Band für eine Inszenierung sucht, kann er sich getrost an dieses Quartett wenden. Sie machen das wesentlich besser als „Die Nerven“, die er für seinen „Erfindung der RAF…“-Abend an der Schaubühne engagierte.

Einem gelungenen Theaterabend würde nichts im Wege stehen, wenn die Schauspieler einen besseren Text sprechen dürften als diese Reste-Rampe, die Armin Petras aus fünf Bruchstücken lieblos zusammengestopselt und der Theaterwelt unter seinem Pseudonym „Fritz Kater“ vor die Füße gekippt hat.

Unter den Schlagworten „Utopie“, „Fantasie“, „Instinkt“, „Liebe und Tod“, „Sorge“ entwirft Petras fünf Szenen: die erste noch sehr kurz und knapp, die letzten beiden ziehen sich viel zu substanzlos in die Länge. Zwischen den Szenen gibt es keine Verbindung, außer dass sie unter dem Titel „BUCH. Berlin (5 ingredientes de la vida)“ aneinandergereiht werden. Petras alias Kater meint zwar, dass diese Szenen ein Panorama des gesamten Lebens abbilden. Mit solchen Allgemeinplätzen kann man sich aber bekanntlich fast jedes Desaster schönreden. In diesem Fall müssen es Regisseur Tilmann Köhler und seine Schauspieler (neben den Genannten noch Christoph Franken aus dem DT-Ensemble und Matthias Reichwald, den er aus Dresden als Gast mitbrachte) ausbaden.

Wie der Deutschlandfunk schon nach der Münchner Uraufführung, die Petras selbst übernahm, urteilte, ist der Text so „geschwätzig“ und „verquast“, dass kaum noch was zu retten ist. Schade um das Potenzial dieser hervorragenden Schauspieler.

„BUCH. Berlin (5 ingredientes de la vida)“ hatte am 24. September 2016 Premiere in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Weitere Informationen und Termine

Bild: Arno Declair

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