American Honey

In Cannes wurde „American Honey“ im Frühjahr 2016 mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, auch der Trailer ist mit seiner flirrenden Roadmovie-Atmosphäre durchaus vielversprechend, aber lohnt sich der neue Film der Britin Andrea Arnold wirklich?

Zu allererst muss das Kino-Publikum einiges an Sitzfleisch mitbringen. 167 Minuten, also fast drei Stunden, dauert dieser Trip durch die „White-Trash-Hölle“, wie David Steinitz in der Süddeutschen Zeitung treffend schrieb.

Die Regisseurin Arnold spielt mit den Genres. Klassische Motive eines Roadmovies kommen ebenso vor wie eine Liebesgeschichte zwischen der alleinerziehenden Mutter Star (Sasha Lane bei ihrem Kino-Debüt) und dem Selbst-Marketing-Profi Jake (Hollywood-Star Shia LaBeouf mit Dreadlocks-Strähnen). Dazu kommen noch eine gehörige Portion Sozialkritik an den gravierenden sozialen Missständen in den USA und ein Porträt perspektivloser Jugendlicher, die sich unter der Knute von Krystal (für weiteren Glamour-Faktor sorgt die älteste Elvis-Enkelin Riley Keough) zu einer Drückerkolonne formieren.

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Im ungewöhnlichen 4:3-Format und mit Handkamera gedreht, heftet sich der Film seinen Protagonisten an die Fersen. Es ist ermüdend, ihnen dabei zuzusehen, im angemieteten Bus von einem Suburb zum nächsten Ölfeld fahren. Dort geht das Spiel wieder von vorne los: sie versuchen den Leuten, Zeitschriften-Abos aufzuschwatzen. Dabei lügen sie das Blaue vom Himmel herunter und geben sich mal als bildungsbeflissene Aufsteiger aus, die sich mit dem Erlös ihren Studienplatz finanzieren. Beim nächsten Gespräch spielen sie die Rolle bibeltreuer Christen oder trauernder Kinder von Irakkriegs-Veteranen – je nachdem, welche Masche beim Gesprächspartner am besten zieht.

Streckenweise ist das durchaus interessant, trägt aber bei weitem nicht über die XXL-Überlänge: zu wenig Entwicklung bei den klischeehaften Figuren und viel zu redundant. Trotz der vielen positiven und hymnischen Kritiken fand ich den Film enttäuschend.

Andrea Arnold gefällt sich in der Pose, einen Film zu drehen, der „unter dramaturgischen Gesichtspunkten (…) auch absoluter Anti-Mainstream“ ist (SZ-Kritik). Ihr Porträt einer desillusionierten Jugend in einer verwahrlosenden Gesellschaft, die sogar einem gewissen Donald Trump auf den Leim zu gehen droht, ist in Ansätzen interessant, ist aber insgesamt zu fad.

„American Honey“ startete am 13. Oktober im Kino. Webseite und Trailer

Bilder: Holly Horner; Verleih: Universal Pictures Media

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