Mother

Die Idee hat durchaus Charme: Ensemble-Mitglied Anita Vulesica, die vor allem in Karin Henkels „Die Affäre Rue de Lourcine“-Inszenierung mit ihrem komödiantischen Talent glänzte, widmet der Pop-Ikone Madonna eine Hommage.

In den persönlichen Momenten überzeugt der Abend: Die Schauspielerin erzählt, wie sie als „Gastarbeiter“-Kind mit 11 Jahren allein in der Reinickendorfer Wohnung saß und Madonna hörte, während die Eltern im Lokal schufteten. Als sie kurz danach bei Verwandten in Kroatien geparkt war, studierte sie dort mit den Mädchen, die bisher nur den sozialistischen Einheitslook und Folkloretänze kannten, eine von ihrem Idol Madonna inspirierte Choreopgraphie.

Leider sind diese gelungenen Passagen zu selten. Dazwischen verteilt Vulesica Kindergeburtstag-Papierhütchen an das Publikum, lässt Konfetti regnen oder hangelt sich an einigen Madonna-Zitaten entlang: über ihre Lust auf junge Männer, ihren Hang zu Kabbala oder zu dem Ehrgeiz, mit dem sie sich als junges Mädchen in der harten Branche durchbiss und Jahrzehnte später immer noch erfolgreich ist.

Am Ende franst der Abend zu sehr aus und wird künstlich auf 1 h 20 Minuten verlängert. Das Phänomen Madonna, die sich immer wieder neu erfindet und als Stilikone Projektionsfläche für die verschiedensten postfesministischen, kulturwissenschaftlichen und sonstigen Theorien ist, wäre ein guter Stoff für einen Performance-Abend, wird aber zu wenig ausgeleuchtet.

Dem in Eigenregie entwickelten Solo-Abend hätte eine stärkere dramaturgische Beratung auf jeden Fall gut getan.

„Mother“ hatte im Januar 2016 in der Box des Deutschen Theaters Berlin Premiere. Weitere Informationen und Termine

Bild: Deutsches Theater Berlin

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