Die Geschwister

Jan Krügers neuer Film „Die Geschwister“ beginnt mit einer Szene, wie man sie aus den Gentrifizierungs-Brennpunkten Kreuzberg und Neukölln kennt: Volles Haus bei einer Wohnungsbesichtigung. Die Interessenten wedeln mit ihren Mietschuldenfreiheits-bescheinigungen und bestürmen den schüchternen Thies von der Hausverwaltung (Vladimir Burlakov) mit ihren Fragen.

Aus einer Ecke wirft ihm der selbstbewusste Bruno (Julius Nitschkoff in seiner zweiten größeren Kino-Rolle nach Andreas Dresens „Als wir träumten“) interessierte Blicke zu. Bei der nächsten, sicher nicht zufälligen Begegnung nach dem Joggen geht der athletische junge Pole noch offensiver ran.

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Es kommt zu einem Deal: Bruno und seine Schwester Sonja (die aus ihren Volksbühnen-Jahren bekannte Irina Potapenko) dürfen mietfrei in eine bisher nur teilsanierte Wohnung einziehen. Der Aufenthaltsstatus des Geschwister-Pärchens ist prekär, ihre Papiere unvollständig.  Bruno revanchiert sich bei Thies für die kostenlose Wohnung mit seinen körperlichen Vorzügen und einer leidenschaftlichen Affäre.

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Der Film „Die Geschwister“ erzählt von der schwierigen Balance in diesem Dreieck: Sonja ist genervt, weil Thies mit seinem Generalschlüssel nach Belieben in der Wohnung ein und ausgeht. Bruno spielt mit den Gefühlen seines Lovers und macht ihn bei einem Kurztrip  gezielt eifersüchtig. In Thies rumort es, seitdem er  Bruno und Sonja engumschlungen im selben Bett erwischt hat. Sind sie wirklich Geschwister oder erzählen sie ihm nur Märchen?

Jan Krüger inszenierte auch seinen neuen Film im Stil der „Berliner Schule“, die vor allem von Angela Schanelec und Thomas Arslan geprägt wurde: vieles wird nur angedeutet, die Szenen wirken zart hingetupft. In seinem sehr zurückgenommen, reduzierten Stil erzählt der Film seine kleine Geschichte aus zwei Berliner Stadtbezirken mitten im Umbruch.

Mit „Die Geschwister“ meldet sich der Regisseur nach längerer Pause zurück. Sein neuer Film ist zwar nicht so gelungen wie seine Kurzfilm-Kompilation „Die Verführung von Engeln“ (2007), aber stimmiger als sein bislang letzter Film „Auf der Suche“ (Berlinale 2011), bei dem Corinna Harfouch trauernd und entwurzelt durch Südfrankreich irrte.

„Die Geschwister“ startete am 3. November 2011 in einigen Kinos: Webseite und Trailer

Bilder: Salzgeber & Co. Medien GmbH

 

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